A: Ndi
B: Ndi
A: Efoa?
B: E me fo. Woha ne foa?
A: Eeeee.....Nuko wo do?
B: Nuko nye ye nye Sabrina. Metso Germani.
Mia wae zo loooo oder
Herzlich Willkommen zur Ewe-Lernstunde der ASTOVOT Freiwlligen 2010/11!
Was ihr oben seht sind die einfachsten Floskeln zur Begrüssung und für die haben wir talentierten Deutschen schon drei Stunden gebraucht und die Aussprache, naja, dass ist ne andere Sache. Zumindest als ich meine Kenntnisse an einem kleinen Kind ausprobierte, fing es schallend an zu lachen...
Ich befinde mich nun seit circa zwei Wochen in Togo und die Zeit vergeht so, dass ich erst jetzt anfangen kann meinen ersten richtigen Blogeintrag zu schreiben. Nicht nur, dass ich meinen Labtop in der ersten Woche vorerst unnutzbar gemacht habe, ich muss auch halb blind auf die Tasten eines fremdem Labtops hauen, da meine wunderbare Brille zuhause in Deutschland liegt. Hoffentlich aber bald dank eines Päckchens meinen blinden Augen zu Hilfe kommt. Deshalb verzeiht eventuelle Fehler, ich bin quasi temporär semi-gehandicapt.
Aber nun für die Serienjunkies: Was ist bisher geschehen?
Angekommen in Lomé, waren wir für 5 Tage in einem Kindergarten untergebracht, zu acht in einem 12qm Raum. Doch dank eines Gewirrs an Moskitonetzen hatte man zumindest eine kleine, wenn auch durchsichtige Privatssphäre. Die ersten Tage waren komplett ausgefüllt mit dem Schmieden des Visaantrags, den Besuchen bei der Schulministerin, dem deutschen Botschafter, dem Außenminister und dem Entwicklungsminister, sowie einigen kleinen Ausflügen in die Nähe von Lomé. Und natürlich dem Essen! Ach, Leute, das Essen. Ein sehr sensibles Thema hier, was kann ich euch erzählen. Wir essen wundervolles Obst: Orangen, Bananen (ja, auch Kochbananen!), Papayas und Ananas, was ich in Deutschland nicht mehr mit dem Hintern anschauen werde. Ich bin nun selbsternannter Kenner von Fufu (togolesisches Nationalgericht aus zerstampften Yamswurzeln), Manjok-Pommes und Pâtes mit leckeren Gemüsesoßen. Ich finde das Essen wirklich toll und bin jedesmal gespannt, was man noch so alles kochen und backen kann. Dennoch fallen die Freiwilligen hier reihenweise Bauch- und Magenschmerzen zum Opfer, da bin ich natürlich auch nicht gefeit. Aber wenn man die togolesische Küche kennenlernen will, muss man da wohl oder übel erstmal durch. Also, was soll ich sagen - die ersten Tage waren damit verplant sich einzugewöhnen. Ein Prozess, der bisher noch nicht vollständig, aber immerhin zufriedenstellend verlaufen ist.
Das Duschen mit Eimer und Becher gelingt mir ganz gut. Es schockt mich auch nicht mehr, wenn das Wasser irgendwie brackig und braun aussieht, was muss, muss. Kein fließendes Wasser? Ab zum nächsten Brunnen, nett grüßen und die Eimer zurückschleppen. Auch wenn mal wieder der Strom ausfällt, liegt meine Taschenlampe nicht fern. Abends wird für den Moskitoschutz auf die Klamotten und den Körper gesprüht. Lange Sachen sind sowieso ab 18Uhr Pflicht. Hände werden mindestens 20mal am Tag gewaschen. Die eingepackten deutschen Desinfektionsmittel sind durch das ständige Strapazieren deutlich leichter geworden. Immer freundlich nicken und lächeln, wenn Menschen auf der Straße gegrüßt werden wollen. "Yovo, Yooooovo"- Rufe (Ewe-Wort für Weiße, Weißer) werden mit enthusiastischem Winken beantwortet, die kleinen Kinder freuts, deren etwas peinlich berührten Mütter ebenfalls. Das Moskitonetz wird zu meinem Palast, der einzige Raum, in dem ich des Nachts sicher und geborgen bin. Auf dem Markt nehme ich nicht den Yovo-Preis, sondern handel immer, egal wie günstig der Ausgangspreis erscheinen mag. Es gehört sich so. Saubere Klamotten? Mein Anspruch besteht bei der Wäsche mit der Hand darin, dass es wieder ein wenig besser riecht. Da ist Reinlichkeit Nebensache. Die rote Erde kriegste sowieso nicht mehr runter. Moto-Taxen anhalten, Preis verhandeln und dann die togolesischen Pisten entlang preschen, dabei immer in Schlangelinien den knöcheltiefen Schlaglöchern ausweichend, erweckt sogar eine gewisse selbstmöderische wirkende Freude (Entschuldige, Mama;). Man wird angefasst, angesprochen und angestarrt. Jedoch kann man nie in der Menschenmasse schlichtweg verschwinden.
Aber. Man. Gewöhnt. Sich. An. Alles.
Lomé war in den ersten Tagen ein sehr verwirrendes großes Ungetüm, indem man aus jeder Ecke eine andere Sicht hattte. Vor allen Dingen kam jede paar Meter eine andere Geruchsnote. Immer wenn ich dachte, also das ist jetzt wirklich mit Abstand das Schlimmste, was ich jemals in meinem Leben...ohoh, okay, aber JETZT ist es wirklich das Abscheuli...meine Güte, da war schon wieder was Neues! Aber das sind die Geheimnisse, die eine Millionenstadt ohne geschlossene Kanalisation für einen bereit hält. Dennoch war alles aufregend und spannend. Allein der Verkehr war mir schon einige Videoaufnahmen wert. Es gibt hier überwiegend zweirädrige und vierrädrige Verkehrsteilnehmer. Die Zweibeinigen, ob jung oder alt, werden schlichtweg von der Straße gehupt. Es entwickeln sich neue Sichtweisen auf Gepäckmöglichkeiten, da werden Motos mit drei, manchmal vier Leuten besetzt (kleine Kinder kann man sowohl hinten wie auch ganz vorne hinpacken- gesetzlich sind nur 2 Personen auf einem Moto erlaubt), man sieht Autos mit abenteurlichen Kofferladungen über dem Dach. Es quillt schon aus dem offenen Kofferraum und aus den Türen: Menschen, Körbe, Tiere. Es wird gehupt, was das Zeug hält. Ob zur Beleidigung, zur Begrüßung oder einfach nur so. Es herrscht immer eine unheimliche Geräuschkulisse in Lomé. Aber kaum zurück in unserem Kindergarten waren wir schon wieder zufrieden und konnten in einer ummauerten Umgebung unsere ersten afrikanischen Schritte zur Annäherung und Austausch mit den Menschen gehen. Wir bekamen viel Besuch von Kindern und Erwachsenen, die einfach nur mal so vorbeischauen wollten. Viele blieben eine Weile bei uns stehen, quatschten mit uns, spielten mit uns Karten. Einmal als ich mir Kekse kaufen ging, kam ein kleines Mädchen zu mir gerannt und nahm meine Hand an ihr Gesicht, um zu schauen, ob meine Haut irgendwie kälter wäre als ihre. Es ist schon toll, die Leute hier kennenzulernen. Viele können gutes Französisch (mit starkem Akzent, aber man gewöhnt sich), manche sogar Deutsch, da sie irgendwann selbst oder irgendeiner aus ihrer Familie in Deutschland lebte oder immer noch lebt, oder schlichtweg weil sie es in der Schule gelernt haben. Viele haben Abitur, was dem französischen Bac sehr ähnlich ist. Zum Beispiel unser Hausmeister. Er hatte Deutsch und Englisch studiert und war, naja, unser Hausmeister. Da läuft irgendwas schief, aber da bin ich noch nicht hinter gestiegen.
Wie gesagt, wir blieben 5 Tage in Lomé. Im Schwebezustand zwischen Zuhause und Fremde, Freude und Trauer, Fernweh und Heimweh. Alles war dabei, die Gefühle wechselten sich quasi stündlich ab, man konnte sich nie sicher sein, wann die nächste Welle irgendeines Gefühls über einen hereinbricht. Ich bin bei negativen Gefühlen einfach auf meine geliehene Isomatte und habe geschlafen. Wer mich kennt, weiß ja, das ist mein Lieblingsrezept. So gingen die Tage vorbei und zack, dann war ich irgendwann doch 24 Jahre alt geworden. Mein Geburtstag in Afrika. Ich habe Gratulationen bekommen, meine mitgebrachten Geschenke (Danke dafür!!!) ausgepackt, liebe Anrufe entgegengenommen (ebenfalls vielen, vielen Dank!) und meine Koffer packen müssen. Wir sind nämlich weiter in die Region gefahren, die für die nächsten Monate unser Zuhause werden sollte. Au revoir, Lomé – Bienvenue à Kpalimé (gesprochen Palimé).
Die Fahrt war ein wahres Geschenk zu meinem Geburtstag. Einen Blick in die liebenswerte afrikanische Realität. Wir sind wieder in unser ASTO-Mobil gestiegen, diesmal 22 Leute mit sämtlichen Gepäck der Freiwlligen, Küchenutensilien, Schlafmatten und Trommeln. Aber dieses Auto kann wirklich alles, es ist quasi der Schwarzenegger unter den Automobilen. Nur leider hat es nicht mehr alles, was ein Auto bei uns eigentlich noch haben sollte. Zumindest um im deutschen Verkehr zugelassen zu werden. Es fehlen die Anschnaller und der Tacho. Aber dafür hatte es Löcher. Dass haben wir festgestellt als wir auf unserer Reise durch den ersten monsunartigen Regenschauer kamen und auf den hinteren Plätzen die Mülltüten ans Fenster gehalten werden mussten, weil es kräftig reinregnete. Dank meines Geburtstages durfte ich ganz vorne auf dem Luxusplatz sitzen und hatte so eine großartige Sicht auf die Dinge. Aber auch sensationellle Aufgaben. Als unser Fahrer mal aussteigen musste, um seine Fahrzulassung irgendwo zu zeigen, nahm er meinen Fuß, stellte ihn auf die Bremse und sagte, dass ich jetzt bitte nicht loslassen solle und ging. Da saß ich nun vorne mit dem linken Fuß auf der Bremse und habe unglaublich gelacht. Wir sind durch Schlaglöcher gegurkt, dass die Köpfe an die Decke gingen. Es gabe wahnsinnige Hupkonzerte. Dann musste leider noch ein Küken sterben, weil es vor uns nicht so schnell über die Straße kam. Sylvestre, unser Koordinator und schlichtweg der Chef, saß neben mir und schwärmte die ganze Zeit von seiner Heimatstadt, in die wir ja jetzt fahren würden. Er ergoß sich in begeisterten Ausführungen...wenn er nicht zwischendurch mit dem Kopf aus dem Fenster hing und irgendwelche Leute angeschrien hat, weil sie nicht schnell genug von der Straße kamen. Bienvenue en Afrique hat er auch oft gemurmelt, vorwiegend bei dem Treffen eines Schlagloches. Ach, es war toll.
Nun sind wir seit 12 Tagen hier in Kpalimé. Unser Haus ist sehr nett mit einer offenen Veranda und einem kleinen Hof, wo man sich ein bisschen bewegen kann. Leider haben wir nur ein Bad, das auch die Toilette beinhaltet, was manchmal wirklich etwas knapp wird. Aber man kann zum Duschen auch einfach hinters Haus. Prüde oder verklemmt sein kann sich hier keiner mehr so richtig leisten. Es ist oft laut, man kann sich nicht richtig zurückziehen. Aber es ist ja nicht für immer. Irgendwie ist man ja noch in einem sehr geschütztem Raum, umgeben von Leuten, die das Gleiche machen und die gleichen Probleme mitbringen. Man kann sich einschätzen, versteht sich teilweise wirklich richtig, richitg gut. Wir hatten schon einige Séances culturelles innerhalb und außerhalb unseres neuen Zuhauses, sprich lautstarke Partys. Wir bekommen Besuch, es werden Trommeln mitgebracht und einfach losgelegt. Immmer mehr Menschen kommen und wir tanzen alle stundenlang auf unserer Veranda, singen deutsche und togolesische Lieder. Wirklich toll! In solchen Momenten bin ich unglaublich froh hier zu sein, um das so mitzuerleben.
Die Landschaft ist großartig und die Stadt ist für meine Begriffe mittlerweile wirklich hübsch. Sie liegt in einem Tal, umrahmt von einer langen Gebirgskette. Wir haben schon verschiedene Wasserfälle besichtigt und sind viel spazieren gewesen. Aber teilweise ist das Wetter einfach noch etwas zu schwül für mich und ich bin schnell kaputt. Ich hoffe auch da auf die Gewöhnung.
Wir hatten eine Woche bisher Seminar. Das heißt wir lernen Ewe (mit bisher mäßigem Erfolg;), treffen Polizisten, haben Krankheitsaufklärung (der Malariapokal, ein Freibier an den/die Ersterkrankte/n der Gruppe, wurde bislang noch nicht vergeben), treffen den Schulinspekteur, lernen den Unterricht vorzubereiten und, natürlich, gewöhnen wir uns wieder. Ab Morgen starten wir unser Workcamp: wir renovieren weiter das Jugenzentrum, was die Freiwilligen im Jahrgang vor uns aufgebaut haben und forsten einen Platz wieder auf. Ich freue mich darauf, mittlerweile bin ich nämlich wirklich bereit hier was zu starten und meine Zeit zu nutzen. Ab der ersten Oktoberwoche kommen wir dann in die Gastfamilien. Dann beginnen auch unsere Projekte an den Schulen. So wie es aussieht, werde ich Deutsch am Lycée, sprich Oberstufe unterrichten. Ich bin sehr gespannt und auch schon ein wenig aufgeregt. Ich hatte eigentlich die Unterstufe erwartet. Lycée ist da schon was anderes und beinhaltet ja auch die Abivorbereitung, dass ist schon mal nochmal was ganz anderes. Ich gehe noch davon aus, dass ich Assistant Teacher bin und den Laden nicht alleine schmeißen muss, sondern nur gewisse Inhalte selber vorbereite. Aber ich bin da ganz positiv und werde euch natürlich berichten. Ich habe schon viel erzählt, könnte noch viel mehr, viel genauer berichten, aber ich belasse es dabei. Ich hoffe, ihr habt einen guten Eindruck bekommen, wie es mir hier geht. Danke für eure Geduld, wenn ihr diesen Bericht zu Ende gelesen habt!
Ich schicke euch einen lieben Gruß aus dem sonnigen und heißen Togo in den heimatlichen Spätsommer!
Eure Sabrina
Hi meine Kleine (wobei du mir im moment so unglaublich erwachsen vorkommst!)vielen dank für deinen wirklich tollen und anschaulichen Bericht. Mehr davon..Ich kann mir alles bis ins kleinste Detail vorstellen. Die Vorstellung von dir mit einem Fuß auf der Bremse..sehr witzig! Aber auch den Rest konnte ich mir sehr gut vorstellen!
AntwortenLöschenBin ganz schön stolz auf dich!
glg
Dani
Ich skype mit dir und lese mir gleichzeitig deinen Bericht durch un alles überfordert mich ein bisschen ich habe dich lieb kussi gnimi ich schreibe später weiter
AntwortenLöschenJetzt haben wir aufgehört zu skypen. Deine Bilder habe ich mir angeschaut und deinen Bericht noch ein zweites Mal gelesen. Spannend hast du alles geschildert und so lebendig. Manchmal habe ich beim Lesen das Gefühl gehabt tatsächlich dabei gewesen zu sein. Ich muss der Dani Recht geben Das Bild mit deinem Fuß auf der bremse stellt sich in meinem Kopf sehr lustig dar. Ich bin auch mächtig stolz auf dich und freue mich auf die Fortsetzung.
AntwortenLöschenHdl Kussi deine Gnomi
Hallo meine liebe Sabrina,
AntwortenLöschenich habe mit großer Begeisterung deinen super schönen und ausfürhlichen Bericht gelesen!!Sehr sehr schön;bin schon fast bei dir angekommen und verbringe Zeit mit dir :)
Ich freu mich schon bald wieder Neues lesen zu dürfen und an deinem Leben teilzunehmen!!
Ich wünsche dir eine wunderschöne Zeit mit noch viel schöneren Erfahrungen!!
Bis bald
Fühl dich gedrückt!! :*