Freitag, 29. Oktober 2010

Neue Bilder

Bilder leider zerstückelt in zwei Links.

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Aufruf

Liebe Spenderinnen und Spender
liebe Leserinnen und Leser,
liebe Interessierte!

Es ist wieder Zeit für einen Aufruf, verbunden mit einer Frage:
Wie viele deutsch-französische Wörterbücher habt ihr Zuhause??
Zwei, drei oder sogar vier? Super!
Dann würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir eure alten überlassen würdet!

Der Sprachunterricht wird hier ganz ohne Wörterbuch geführt und meine Deutschlehrerin ist schon verzweifelt auf der Suche nach einer günstigen Beschaffung. Die Schüler sind fasziniert und total motiviert mit Wörterbüchern zu lernen. Ich fände es toll, wenn einige zusammen kommen würden. Ich habe zwar 50 Euro Spenden übrig, aber es wäre natürlich toll, wenn ich davon die ebenfalls benötigten französisch-englischen Wörterbücher kaufen könnte.

Meine Mutter besucht mich an Weihnachten und es wäre wirklich großartig, wenn sie einige Wörterbücher im Gepäck haben könnte. Bitte schreibt mir, wenn ihr welche schicken wollt und ich gebe euch die Adresse. Ich möchte nicht hier so offen ihre Anschrift angeben.

AKPE KAKA, MERCI und DANKE schon mal im Voraus!!

Von Freude, Familie, Rückschlägen und schlechtem Handyempfang

Eigentlich denke ich ja immer, ich wäre ein sehr toleranter Mensch. Zumindest doch meinen Mitbewohnern gegenüber. Ich hatte ja jetzt schon einige. Doch nie war so ein hässliches und haariges Ungetüm dabei, wie hier in Togo. Meine erste Nacht in meiner Gastfamilie wurde von ihrer Anwesenheit sprichwörtlich überschattet. Sie hing an meiner geblümten Mädchenzimmerdecke und starrte mich an. Ich starrte zurück. Doch als sie sich weiter an den Wänden entlang hangelte und sich dabei zu einer handtellergroßen Riesenspinne herausbildete, verzog ich mich dann doch in mein semi-sicheres Moskitonetz. Todesmutig habe ich diese kurze Nacht verbracht, immer ein Auge wachsam geöffnet. Entgegen meiner eben gepriesenen Toleranz, wurde am nächsten Morgen dennoch chemischer Waffeneinsatz befürwortet. Dennoch musste ich noch einige Tage auf den Kadaver meiner ungeliebten Mitbewohnerin warten...

Nach diesem kurzen Intermezzo zu Beginn lebe ich mich nun nach knapp vier Wochen bei meiner Gastfamilie sehr gut ein. Meine Familie besteht aus meiner Gastmutter Innocente, ihrer elfjährigen Nichte Massimè und meinen beiden Gastbrüdern, dem einundzwanzigjährigen Innocent und dem fünfundzwanzigjährigen Selom, die nicht wirklich ihre Söhne sind, aber hier wohnen und arbeiten. Man sieht, eine Patchworkfamilie wie aus dem togolesischen Kinderbuch. Zudem besitzt Mama Inno hier in Agou Nyogbo die weitaus schönste Bar im Bezirk, was mein Zuhause immer zu einem begehrten Ausflugsziel macht und mir einige Anfahrten zu anderen Menschen erspart. Kurz, ich bin sehr zufrieden mit meiner Familie.
Da nun aber doch schon einige Zeit seit meinem letzten Bericht vergangen ist, werde ich den nachfolgenden Text ein wenig deutlicher strukturieren. So wird`s übersichtlicher und ihr könnt euch leichter rauspicken, was euch interessiert. Also, los geht’s.

Projekt_Centre de Jeunesse
Ende September, bevor wir in die Gastfamilien und unsere eigentlichen Projekte gestartet sind, hatten wir noch zwei Wochen, in denen wir uns um das Jugendzentrum ASTOVOT's kümmern konnten. Die Freiwilligen Generation vor uns hatte Spenden gesammelt, einen Seminarraum und eine Bibliothek gebaut. Für uns ging es nun darum, weiter an dem Spielplatz, den Toiletten und dem Garten zu feilen. Es wurden Karren an Sand geschippt, Unkraut gejätet, Stämme weggeaxt, Blumen und Bäume gepflanzt. Blut und Schweiß sind geflossen, Muskelkater und Blasen inklusive. Doch fertig sind wir wohl noch länger nicht. Aber es war richtig wohltuend nach dieser ganzen Zeit voller Vorbereitungsseminare, dem sich ewig Gedanken-machens, nun endlich was Sinnvolles zu tun und sich die feinen weißen Akademikerhändchen mal so richtig dreckig zu machen. Bis zum Februar sollten wir jedoch fertig sein, denn dann wird das Projekt eingeweiht und wir bekommen zu diesem Anlass auch Besuch von unserer Koordinatorin der deutschen Organisation.

Projekt_Schule in Agou Nyogbo
Seit Anfang Oktober arbeite ich nun endlich in meinem Projekt: Ich assistiere in Deutsch und Englisch am „Lycée des 2 Nyogbo“. Vieles ist anders. Einiges wie erwartet, anderes leider auch nicht. Unser Lycée ist auf dem gleichen Gelände wie die École Primaire und das Collège, es besteht aus zwei Klassen, der Seconde und der Première, was bei uns mit der 11. und 12. Klasse vergleichbar ist. Leider müssen unsere Schüler für ihr Abschlussjahr und das Abitur ins nächst größere Dorf gehen, da unsere Schule das (noch) nicht anbieten kann. Die Klassengrößen sind beim Deutschunterricht mit 30-40 Leuten recht angenehm. In Englisch sitzen dann schon 60 mehr oder minder lernbereite Schüler. Dennoch beschwere ich mich keineswegs. In der Unterstufe gibt es eine Klasse mit 101 Schüler. Individuelle Förderung? Gut, alles keine Überraschung, darauf war ich vorbereitet. Meine Deutschlehrerin und mein Englischlehrer sind sehr begeistert, dass ich da bin und freuen sich sehr, dass ich ihnen helfen kann. Das ist zumindest die Aussage, bisher sitze ich selber fast nur im Unterricht und lerne, wie das togolesische Lehr- und Schulprinzip funktioniert.
Um 7Uhr beginnt die erste Stunde (jede Stunde à 55 Minuten, ein Schüler aus der Première kündigt das Ende jeder Stunde mit einer Trillerpfeife an), um 10Uhr gibt es die 20 Minuten Pause und um 12Uhr ist der Vormittagsunterricht vorbei. Das heißt für mich nachhause, duschen, essen und sich drei Stunden bei der Siesta vor der brennenden Sonne verstecken. Um 15Uhr geht es dann wieder los. Das heißt, Hausaufgabenbetreuung, Schulgartenpflege. Kann aber auch, als beliebte Mädchenbeschäftigung, Wäsche waschen für den Lehrer bedeuten.
Der Lehrer genießt generell eine höhere Achtung bei den Schülern als in Deutschland. Da wird die Tasche getragen, die Bank geputzt, bevor man sich setzt, das Essen ins Lehrerzimmer gebracht, die Tafel freiwillig sauber gewischt, bei Fragen und Begrüßung aufgestanden, das Lehrerzimmer gereinigt und das Moto des Lehrers vor dem tropischen Regen untergestellt.
Der Unterricht an sich steht und fällt mit dem Vorbereitungsblatt des Lehrers, ohne das er an sich, hart wie es sich anhören mag, eigentlich hilflos ist. Darauf stehen die Themen des Tages, die vorbereiteten Lernsätze und Beispiele und die Hausaufgaben. Das wird an die Tafel geschrieben. Fragen tut keiner, verstehen tun es alle. Bis man dann doch mehr oder minder aus Versehen oder aufgrund des Lehrplans eine Frage an die Klasse stellt und schweigende Gesichter zurück starren. Wohin würdet ihr gerne mal reisen und warum? Puh. Als Frage in der 12. Klasse kann das schon mal zu größeren Schwierigkeiten führen. Die Antwort konnte man bisher ja nirgendwo auswendig lernen. Interaktion? Fehlanzeige. Aber dann wieder die Überlegung, inwiefern das mit 60 Leuten auch möglich wäre. Dann doch lieber wieder den Zettel raus kramen und weiter im Text. Das Niveau ist gemessen an den deutschen Gymnasien schlichtweg miserabel. Nach sieben Jahren Englisch werden in der Oberstufe noch Konditionalsätze durchgekaut. Mein Englischlehrer meinte, selbst wenn man nur wenige Englischvokabeln kennt, auf die Grammatik kommt es an. Das kann natürlich in einer Konversation schon mal recht einseitig werden. Die Lehrer müssen einfach auf die Schüler bauen, die sich durchbeißen. Alles mitbekommen und sich an die Lehrmethoden gewöhnt haben. Die Prüfungen sind nämlich im Vergleich zum Unterricht wirklich sehr anspruchsvoll. Letztes Jahr sind im Abitur 63% der Schüler durchgefallen. In Deutschland gäbe es einen Volksaufstand. In Togo hingegen Schüler, die mit 20 Jahren immer noch oder besser immer wieder in der 7. Klasse sitzen. Aber man darf nicht vergessen, ich kenne auch sehr motivierte Schüler. Kinder die mit 14 in der 11. Klasse sitzen und mir mein Wörterbuch quasi aus der Hand reißen, um sich noch schnell Vokabeln raus zuschreiben. Nur gehen diese Schüler leider viel zu oft bei dem turbulenten Unterricht unter, langweilen sich zu Tode oder nerven dann doch noch mal mit. Aber wem könnte man es verdenken.
Thema Ausrüstung und Unterrichtsmaterial. Es gibt viele Zweierbänke, zwei Tafeln und Kreide. Manchmal auch Textbücher, aber die hat der Lehrer, die Schüler teilen sich Kopien, die sie vorher bezahlen mussten. Wörterbücher gibt es keine. Die Schüler lechzen aber wie gesagt geradezu danach. Aber dazu später mehr.
Zum Schluss dieses Abschnitts noch mein Lieblingsthema und wahrscheinlich das, mit dem ich mich am meisten auseinandergesetzt und mit dem Schlimmsten gerechnet habe und dennoch negativ überrascht wurde. Prügelstrafen in der Schule! Zu meinem Glück wird im Lycée damit aufgehört, zum Pech der Schüler werden wahrscheinlich alle Prügel in der Unterstufe aufgebraucht. Es gab hier schon viele hitzige Diskussionen. Meine Position ist und bleibt immer die gleiche. Alles was über einen Klaps auf die Schulter hinausgeht, sollte verboten sein! Ich habe an der Grundschule schon Geschrei gehört, dass ich Gänsehaut bekommen habe und dann hilflos zuschauen musste, wie ein kleines Kind vor einem Lehrer weglief, der es seelenruhig verfolgte und mit dem Stock geschlagen hat. Auf das, was er gerade eben erwischen konnte. Gerade nach Testrückgaben sind Schläge eine beliebte Erziehungsmethode. Die Kleineren kriegen auf den Hintern, was sich harmloser anhören mag, als es letztendlich ist, die Größeren müssen die Arme ausstrecken. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde, die Schüler, die unentwegt weinen oder die, die sich einfach ohne zu Zucken schlagen lassen und dann wieder auf ihre Plätzen verschwinden. Einige Schlauen haben sich in Erwartung eines schlechten Ergebnisses schon mal zur Sicherheit den Hintern gepolstert. Meine erste Konsequenz ist, dass ich meinen Englischlehrer nicht mehr in die Unterstufe begleiten werde. Dabei ist mein Lehrer noch einer der „Harmlosen“. Es gibt Geschichten von einem Lehrer, der auch auf dem Flur schon anfängt und sich dann quasi durch seine Stunde prügelt. Beliebt bei ihm sind die Ohren, was aufgrund der physiognomischen Nähe dann doch meistens auf dem Kopf landet. Es gibt schlimmere und weniger schlimme Lehrer, aber dieser Job kann hier jedenfalls den Zugang eröffnen, um eventuelle Aggressionen (vielleicht auch Neigungen?) loszuwerden. Aber um das vollständig zu diskutieren, werde ich vielleicht mal einen separaten Bericht schreiben müssen.
Um den Abschnitt dennoch positiv enden zu lassen. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Lehrern, gerade mit meiner jungen Deutschlehrerin, die wirklich sehr motiviert ist und auch mal einen etwas anderen Unterrichtsstil verfolgt. In Deutsch habe ich auch schon eine Stunde Unterricht selber gehalten und werde immer wieder zu Erklärungen in die Zange genommen. Ich denke, da kann sich noch einiges an Mitarbeit ergeben. Der wöchentliche Deutschklub ist in Arbeit und Nachhilfestunden gebe ich bereits. Ebenso werde ich bald einen Englisch Lese- und Sprachkurs leiten, um einem kleinen Teil der bisher benachteiligten Schülern ein bisschen unter die Arme zugreifen. Alles andere wird sich hoffentlich bald zeigen. Was kann man erwarten, so lange bin ich ja auch noch nicht da.

Lebens_Stil
Agou Nyogbo ist ein Dorf mit circa 1000 Einwohnern und, im Vergleich zu allen anderen Dörfern und auch Kpalimé, eine wahre Augenweide. Direkt am höchsten Berg Togos gelegen (immerhin knapp 1100Meter), lebt man hier quasi umgeben von tropischem Regenwald. Alles ist grün und gerade in der etwas langen Regenzeit auch des Öfteren sehr feucht. Die Tage sind vormittags sehr sonnig und heiß, am Nachmittag regnet es noch oft. Aber nicht nur ein bisschen, sondern in tropischen Regengüssen. Über die deutschen Gewitter werde ich bald nur noch lächeln. Hier steht das Leben dann auch während des Regens still und nichts geht mehr.
Ich wohne wie bereits gesagt in meiner Gastfamilie in der Bar. Man geht von der Straße aus an der Theke vorbei und landet dann in dem Innenhof, in dem sich das Leben abspielt. Da es ja immer warm ist, gibt es auch nur Sitzplätze draußen, die sind aber überdacht und somit vor Regen geschützt. Mein Zimmer ist ein freistehendes, vielleicht 15qm großes Häusschen mit Wellblechdach, zentral gelegen auf dem Innenhof und hat alles was ein „Prinzessinnenzimmer“ ausmachen sollte: blaue Tapete, Blümchendecke und rosa Blumenvorhänge. Ich bin sehr zufrieden. Die Zeit in Kpalimé hat mir gezeigt, wie sehr ich mich über Privatsphäre freuen sollte und das tue ich auch. Ich mag mein Zimmer jedenfalls sehr. Gegenüber ist die Küche, wo sich meine Gastmama am liebsten aufhält. Für Interessierte, es wird hier auf Kohle gekocht. Daneben ist die Dusche und daneben dann die Ecke fürs kleine Geschäft. Ersteres wird mit einem Eimer erledigt, letzteres einfach auf einem Stein und hinter einem Strohvorhang. Aber ich genieße wirklich die kalte Dusche mit dem Eimer, vielleicht ein Grund, warum ich manchmal bis zu drei Mal am Tag duschen muss. Wenn man an meinem Zimmer vorbeigeht, sind dort die Häusschen von meinem jüngeren Gastonkel und meiner Gastoma und natürlich die Toilette für größere Dinge. An meinem ersten Morgen überraschten mich bestimmt zehn riesige Kakerlaken als ich aufs Plumpsklo wollte. Jetzt überraschen sie mich zumindest nicht mehr. Kinder, was soll ich sagen. Was muss, das muss, Thema erledigt.
Rami und Jakob, die anderen beiden Volontäre von ASTOVOT, und Greg, ein Volontär aus Belgien, wohnen circa 5 Minuten weg. Sie haben eine Männer-WG und müssen immer zu ihren Gastfamilien gehen um zu Essen. Ich bevorzuge meinen Lebensstil, auch wenn es manchmal stressig ist, lebe ich lieber mitten in der Familie. Außerdem wenn es mir mal zu viel wird, gehe ich eben rüber zu den Jungs. Also, eigentlich alles prima. Außer dem Handyempfang-Problem. Nachdem ich ja doch überrascht bin (wahrscheinlich alle anderen auch), dass es so guten Handyempfang in Togo gibt, wird man ja direkt anspruchsvoll und verlangt überall Zugang ins Netz. Gibt es auch. Nur meistens nicht in meinem Zimmer. Das heißt also immer ab auf die Straße zum Telefonieren. Aber auch daran gewöhnt man sich.

Lebens_Art
Ich bin mit 14Stunden Schule, plus den Nachhilfestunden und der Arbeit in der Bibliothek relativ ausgelastet. Man muss ja auch meine drei Stunden Pause dazurechnen, in denen ich mich schlichtweg erholen muss. Meine Familie denkt meistens ich schlafe, dabei lese ich auch. Manchmal. Aber wirklich, ein bisschen Abstand brauche ich auch. Das wird nicht unbedingt verstanden, aber doch akzeptiert. Der Tag beginnt hier für mich zwischen 5 und 5.30Uhr, meine Gastmutter steht um 3.30Uhr auf, um vorne an der Straße Frühstück an die vorbeieilenden Schüler zu verkaufen. Jeden Tag bis auf Sonntag, da darf es dann auch mal 5.30Uhr sein. Da aber jeden Morgen sowieso der Innenhof gefegt wird, werde ich also ebenfalls wach. Aber kein Ding, ich war ja auch sicherlich zwischen 8 und 10Uhr abends im Bett. Ihr seht, Partyzeiten liegen hier etwas anders. Ich gehe dann morgens unter dem kritischem Auge meiner Mutter und zur Belustigung wahrscheinlich aller Dorfbewohner erst einmal eine Runde Joggen. Dann frühstücken und ab geht es wie damals zur Schule. Ich habe einen Schulweg von circa 20 Minuten und wahrscheinlich den schönsten Weg zur Schule, den man sich vorstellen kann. Vorbei an Kakaopflanzen, Palmen und auf roter Erde haste ich aber leider meistens doch unter Zeitdruck los. Denn das zu-spät-Kommen ist entgegen vieler Vorurteile, kein normales Verhalten in Togo. Nachmittags, nach meiner Pause, gehe ich entweder in die Bibliothek oder gebe Nachhilfestunden. Ich setze mich auch oft zu meiner Gastmama und schaue mir einfach die Lebenskultur an.
Ich weiß jetzt endgültig, wie man Fufu stampft. Auch wenn ich selber immer nur mal kurz ran darf. Das „fragile“ Deutschchen soll sich mal nicht überanstrengen. so ungefähr sagte Mama Inno und reichte den Stampfer an meine elfjährige, circa drei Köpfe kleinere Gastschwester weiter. Was wahrscheinlich stimmt, sie ist traurigerweise wirklich kräftiger als ich. Ich weiß nun auch, was mit Kakao so alles passiert, bevor man die Nesquik Dose öffnet (Wollt ihr wirklich alles wissen?;)). Ich kenne die verschiedenen Tötungsarten von Hühnern und Schafen (leider manchmal auch Katzen - die werden wohl ertränkt). Ich höre Geschichten von Töchtern und Söhnen, die nach Deutschland, Ghana oder sonst wo in die Welt gehen. Ich treffe Millionen Menschen, die verlangen, dass ich sie sofort wieder erkenne. Ich lerne auch, dass man nicht einfach alles abnicken sollte, wenn man es mal nicht versteht. Ich werde jedenfalls nicht noch einmal auf einer Beerdigung erscheinen, in FlipFlops und Tanktop, weil ich dachte, es ginge in die Stadt. Sonntags gehe ich stundenlang in die Kirche. Das längste waren bisher knapp vier Stunden, ich wäre beinahe hypenventiliert ohne Wasser in der Hitze unter dem Wellblechdach. Aber es ist wirklich immer wieder ein Erlebnis, jeden Sonntag. Aber die Hälfte würde mir halt auch reichen. Ich brumme sogar im Kirchenchor mit, um ein bisschen Freizeit mit meiner Mutter und anderen Togolesen zu verbringen. Ansonsten verbringe ich meine Samstagvormittage mit meiner Mutter auf dem Wochenmarkt, der mich jedes mal total fertig macht, weil es einfach so viel zu sehen, zu riechen und Menschen gibt, dass ich schier wahnsinnig werde. Die Yovo-Schreie gellen immer noch durch die Straßen, ich drehe mich aber nur noch zu den Kleinsten um. Bei Erwachsenen muss ich manchmal wirklich zurückhalten, um nicht auszurasten. So kann es gehen mit den Toleranz. Die Freitag- und öfter Samstagabende gehören den Volontären. Wir gehen möglichst europäisch essen, für viele wichtig, mir noch sehr egal, bei meiner Mutter esse ich prima und bin zufrieden. Danach gehen wir in eine Bar oder einen Club. Manchmal muss das auch sein, habe ich festgestellt. Dennoch ist es schon anders in den Gastfamilien. Manche müssen um 21Uhr zuhause sein, die können natürlich nicht mehr mitkommen. Ich habe Glück bei mir ist es egal, wann ich nachhause komme. Ich soll nur nicht alleine im Dunkeln ein Taxi nehmen, man hört immer wieder Gruselgeschichten.
In der Gegend umher wandern gehört auch zu den Tipps in meinem LonelyPlanet, das schaffe ich leider nicht so oft wie ich will. Dafür lese ich unheimliche Mengen an englischer und französischer Literatur, wirklich haufenweise. Die übrige Zeit verbringe ich mit Rami und Greg, gerne auch bei mir in der Bar. Da ist es dann nicht mehr allzu weit in mein geliebtes Bett. Ihr seht, es ist anders als in Deutschland. Aber nicht unbedingt schlechter, nur anders. Am langen Wochenende über Allerheiligen geht es für uns Volontäre aber mal zu einem Kurzurlaub nach Lomé. Ein bisschen Strand, Sonne, ein Bierchen oder zwei - ein bisschen europäisches Vergnügen eben.
Ihr seht – mir geht es gut. Ein gewisser Alltag ist eingekehrt.
Ich überlasse euch aber nun endlich wieder dem produktiven europäischen Tagesgeschäft und verabschiede mich nach einem ewig langen Bericht mit sonnigen Grüßen aus Togo,
Eure Sabrina