Stell Dir vor:
Es ist Nacht und der Vollmond spendet das einzige Licht im Zimmer. Ihr sitzt vor einem winzig kleinen Bildschirm, eng aneinander gedrückt. Es ist eine wichtige Entscheidung zu treffen. Was schauen wir für einen Film? Horror? Heute Nacht? Bitte nicht. Okay, dann Wahl. Demokratie entscheidet, du bist raus. Also gut, dann eben Schweigen der Lämmer. Du ahnst bereits jetzt, dass du das bereuen wirst. Schließlich ist dies hier nicht dein Zimmer. Nein, du musst noch zehn Minuten durch menschenleere Straßen gehen bis du in deinem sicheren Zuhause angekommen bist. Du sitzt, schaust und beißt ein wenig ins nächstbeste Kissen, was dir in die Quere kommt. Angst läuft dir den Rücken runter und nur das importierte, gute deutsche Gummibärchen (und die Hoffnung auf weitere andere!) bewahren dich davor, einfach aus dem Raum zu gehen. Dann endlich, der Film ist zu Ende. Oder auch nicht, denn jetzt heißt es nach Hause. Ab durch den dunklen Garten, das einsame Dorf entlang spazieren. Dir wird bewusst, verdammt du bist irgendwo mitten in Afrika. Wer weiß, wer hier noch so Menschen isst?! Okay, jetzt nicht panisch werden. Es ist ein Uhr nachts, da schläft bestimmt auch der hartnäckigste togolesische Kannibale in seinem Bett und träumt von seiner letzten Mahlzeit. Also, los. Jedes Geräusch macht dich nervös, während du durch den Garten schleichst. Langsam gehst du auf das Tor zu. Lauschst. Gibt es was? Entferntes Murmeln ist zu hören. Behutsam öffnest du das quietschende Gartentor und lugst heraus. Kein Problem, haha, kein Mörder in Sicht, schnell jetzt, ab nach Hause. Kaum gehst du die letzte Stufe hoch, plötzlich eine Bewegung von links. Starr vor Schreck, arbeitet dein Gehirn doch relativ schnell und klar. Mist. Tragen da tatsächlich gerade fünf Männer seelenruhig einen verdammt tot aussehenden Körper auf einer Bahre an dir vorbei?! Wo bist du gelandet? Du schaust der Gruppe fassungslos hinterher und begreifst dann ganz, ganz langsam. Du bist in Togo. Und es ist das lange Wochenende der Beerdigungen. Welcome to Agou-Nyogbo!
Mein dritter Monat in Westafrika geht so langsam seinem Ende zu und ich sitze wieder einmal hier und versuche euch meine Eindrücke zusammenzufassen. Dabei fällt mir zuallerst auf, wie morbide dieser November eigentlich war.
Begonnen hat das Ganze damit, dass mir erst jetzt bewusst wurde, dass unser Lycée direkt gegenüber eines Friedhofes liegt. An sich nichts Besonderes. Sogar im Vergleich recht angenehm, wenn man bedenkt, dass in Kebotoe (Nachbardorf auf dem Berg) die Gräber in unmittelbarer Besuchernähe zur Stadtlatrine stehen. Dennoch scheint dieser Umstand ein bisschen auf das Motto der Schule Einfluss zu nehmen. Als ich letzte Woche Klausuraufsicht hatte, bin ich aus Interesse mal die Englischklausuren der letzten Jahre durchgegangen und kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Noch nie habe ich solche Aufgabe lesen müssen. Folgende Essaythemen haben mir Kopfzerbrechen bereitet:
Du bist mit deinem Bruder in einer anderen Stadt zum Studium. Dein Bruder wird krank und kommt ins Krankenhaus. Er stirbt. Schreib deinem Vater einen Brief und erkläre diesen Umstand.
Deine Frau wird todkrank, du stehst an ihrem Totenbett und sie bittet dich auf die Kinder zu achten. Beschreibe die Situation und deine Reaktion.
Deine Frau kann keine Kinder bekommen. Sie will dennoch nicht, dass du noch eine andere Ehefrau heiratest. Sie droht sich umzubringen. Wie reagierst du?
Na schön, dann lasst euch mal was Nettes einfallen. Also, wenn ich so Aufgaben in der Oberstufe hätte bearbeiten müssen, wäre ich doch auch zumindest ein bisschen depressiv geworden. Aber das ist die Realität togolesischer Klassenarbeiten. Aber auch der Unterricht an sich hält Überraschungen bereit- “My sister forced me to rape her!”, wird dann auch gerne als grammatikalisch richtig eingestuft. Da wundere ich mich doch schon sehr. Der Blick nach draußen garantiert auch wieder keine Erheiterung, eine Menschansammlung und ein getragener Sarg. Schreien, Zusammenbrüche, ein Jugendlicher wird beerdigt. Die Schüler laufen hin, um bessere Sicht zu haben. Ich gehe lieber mit ungutem Gefühl in die Pause. C’est la vie.
Leider bin ich aber nicht nur in der Schule von Gedanken an den Tod konfrontiert, sondern auch in meiner Gastfamilie. Einer meiner Gastonkel ist vor Wochen in der Dusche ausgerutscht, lag drei Wochen im Koma und ist nun leider gestorben. Bereits meine zweite togolesische Beerdigung. Schon eine Woche vorher werden Vorbereitungen getroffen. Die Kleidung und der Sarg müssen ausgesucht werden, die Kleidung für den engsten Familienkreis wird geschneidert. Es werden Messen gelesen. Am Freitag geht man abends in die Kirche und wohnt einem Gottesdienst bei. Samstags organisiert man das Umbetten der Toten aus dem Kühlraum im Krankenhaus zu den Familienhäusern (in eine solche Situation bin ich also geraten!), und dann geht die Party los. Es wird getrommelt, getanzt und gesungen, die ganze Nacht. Unsere Bar war bis fünf Uhr morgens geöffnet und auch gefüllt. Ich habe nicht daran teilgenommen, Inno hatte mich nicht gefragt und irgendwie wollte ich dann auch nicht stören. Ich durfte aber dann Sonntag mit auf die eigentliche Beerdigung. Es war im Garten der Tochter, alles war bunt geschmückt und es waren bestimmt 200 Leute da. Mein Onkel wurde dann im Nebenraum noch aufgebahrt, man konnte sich verabschieden. Ich habe Platz genommen, die Kapelle fing an zu spielen, der Chor sang, man begann den Sarg herauszutragen. Ich hatte leider schon beim letzten Mal die Befürchtung, aber diesmal ist es tatsächlich passiert: zu zweit einen dicken Holzsarg Treppen runterzutragen ist halt nicht die beste Idee. Kurz, der Sarg fiel. Voll auf den Boden. Halbgeöffnet. Was im Film vielleicht noch recht lustig aussehen mag, glaubt mir, es ist furchtbar. Alle sind aufgesprungen, viele haben geweint und geschrien. Schnell wurde alles wieder aufgesammelt und der Sarg noch mal in den Aufbewahrungsort gebracht, um alles in Ordnung zu bringen. Man, das kann ja heiter werden, dachte ich. Wurde es auch, aber im positiven Sinne. Nachdem der Sarg dann endgültig herausgebracht wurde, ohne weitere Komplikationen, wurden Lieder gesungen und Reden gehalten. Jeder Anwesende erhielt eine Trauerkarte auf der einige Fotos von dem Verstorbenen, die Lebensdaten und die Namen aller Trauernden geschrieben sind. Dann wird noch Geld gesammelt, um der Familie ein bisschen unter die Arme zu greifen mit all den Kosten für die Feierlichkeiten. Meine Aufgabe war es, das Gesammelte zu verwahren. Die Familie setzt sich danach in einen Stuhlkreis zusammen und die Gäste gehen an jedem vorbei und schütteln ihm oder ihr die Hand. Danach bringt man den Sarg gemeinsam zum Friedhof (gegenüber meiner Schule) und dann folgt noch ein Familienessen.
Trotz des omnipräsenten Themas Tod hier in Nyogbo muss ich sagen, dass ich mich doch sehr lebendig fühle!
Schultechnisch habe ich mehrere Premieren hinter mir: der erste eigene Englischunterricht und der erste eigenverantwortliche Englisch-Lesekurs. Natürlich wollte ich meinen Englischunterricht direkt sehr innovativ gestalten und bereitete einige Fragen für Partnerinterviews vor. Nur drei Fragen, schließlich sollte es nur eine kleine Übung sein. Die Antworten des Partners sollten dann der Klasse kurz vorgestellt werden. Irgendwie zweifelte ich schon ein bisschen am Schwierigkeitsgrad meiner Fragen, da man die Antworten nirgendwo ablesen konnte, sondern wirklich eine Idee und Meinung haben musste. Es wurde natürlich auch schwieriger als gedacht, aber immerhin schien es einigen zu gefallen. Einigen weniger, die sind einfach rausgegangen, während ich mich um den Rest kümmerte. Ich habe nur gedacht, besser sie stören nicht meinen Unterricht und quatschen irgendwo draußen rum. (Okay, pädagogisch erstmal nicht so wertvoll, aber hey, es war mein erster Unterricht mit 60 Leuten!) Ich konnte auch so lange gut mit den anderen Schülern arbeiten bis mein Direktor stinksauer mit den acht rausgelaufenen Schülern reinkam. Die ließ er dann erst auf dem Steinboden knien, holte sich seinen Stock und dann knallte es. Da hatte ich nichts zu melden und mein schön schlagfrei geplanter Unterricht wurde somit sprichwörtlich zerschlagen. Die Stunde habe ich dennnoch relativ gut mit einer Leseübung beschließen können. Danach war ich nassgeschwitzt, mehr oder minder zufrieden, aber doch schon wieder um Erfahrungen reicher.
Dienstags habe ich nun meinen Englisch-Lesekurs, an dem so um die zwanzig Schüler teilnehmen. Auch hier bin ich zu groß eingestiegen mit Nelson Mandelas “A long way to freedom”. Begeisterung war da, nur leider mangelte es doch an Verständnis. Aber das erste Kapitel haben wir nun nach der zweiten Stunde und nach mehrmaligem Lesen durchgeboxt, so dass auch die Verständnisfragen zufriedenstellend beantwortet wurden. Aber auch hier muss ich mir noch etwas weniger Demotivierendes überlegen. Man sieht, dass viele Ideen einfach noch nicht klappen, aber ich bin optimistisch, dass ich noch das passende Niveau finden werde.
Ansonsten naht das Weihnachtsfest, zumindest merke ich das an der Jingle Bells-Endlosschleife, die durch mein Fenster immer wieder zu mir hereinweht. Weihnachtsgefühle? Noch keine Spur.
Ich schließe meinen Bericht mit der Neuigkeit, dass ich heute nach Hause kam und Inno ihr Lieblingshuhn, wahrscheinlich wohlweislich in meiner Abwesenheit, geschlachtet hatte. Bisschen schade, ich fand es recht ulkig, weil es immer auf den Baum kletterte, um zu schlafen und sagte es laut heraus. Darauf Inno trocken: Sabrina, maintenant la poule dort profondement dans la sauce! (Jetzt schläft das Huhn tief und fest in der Sauce). Na dann, guten Hunger!
Viele fröhlich-morbide Grüße aus Togo,
Eure Sabrina
PS. Der Bericht kommt leider erst jetzt, da sich hinter meinem zweiten Kalendertürchen meine erste Malariainfektion versteckte! Mir geht es wieder gut. Aber davon bald mehr.
Für den SCI (Service Civil International) werde ich als "Assistant Teacher" ab September diesen Jahres für 10 Monate an einer togolesischen Schule unterrichten. Über meine Arbeit, meine Eindrücke und Erlebnisse aus dem westafrikanischen Kleinstaat werde ich hier ab Herbst berichten. Einige interessierte Leser, persönliche Emails aus der Heimat oder einfach nur nette Kommentare werden mit Sicherheit sehr, sehr willkommen sein ;)
Montag, 6. Dezember 2010
Freitag, 29. Oktober 2010
Neue Bilder
Bilder leider zerstückelt in zwei Links.
1. Teil: http://img684.imageshack.us/gal.php?g=imgp0549z.jpg
2. Teil: http://img517.imageshack.us/gal.php?g=imgp0842.jpg
1. Teil: http://img684.imageshack.us/gal.php?g=imgp0549z.jpg
2. Teil: http://img517.imageshack.us/gal.php?g=imgp0842.jpg
Aufruf
Liebe Spenderinnen und Spender
liebe Leserinnen und Leser,
liebe Interessierte!
Es ist wieder Zeit für einen Aufruf, verbunden mit einer Frage:
Wie viele deutsch-französische Wörterbücher habt ihr Zuhause??
Zwei, drei oder sogar vier? Super!
Dann würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir eure alten überlassen würdet!
Der Sprachunterricht wird hier ganz ohne Wörterbuch geführt und meine Deutschlehrerin ist schon verzweifelt auf der Suche nach einer günstigen Beschaffung. Die Schüler sind fasziniert und total motiviert mit Wörterbüchern zu lernen. Ich fände es toll, wenn einige zusammen kommen würden. Ich habe zwar 50 Euro Spenden übrig, aber es wäre natürlich toll, wenn ich davon die ebenfalls benötigten französisch-englischen Wörterbücher kaufen könnte.
Meine Mutter besucht mich an Weihnachten und es wäre wirklich großartig, wenn sie einige Wörterbücher im Gepäck haben könnte. Bitte schreibt mir, wenn ihr welche schicken wollt und ich gebe euch die Adresse. Ich möchte nicht hier so offen ihre Anschrift angeben.
AKPE KAKA, MERCI und DANKE schon mal im Voraus!!
liebe Leserinnen und Leser,
liebe Interessierte!
Es ist wieder Zeit für einen Aufruf, verbunden mit einer Frage:
Wie viele deutsch-französische Wörterbücher habt ihr Zuhause??
Zwei, drei oder sogar vier? Super!
Dann würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir eure alten überlassen würdet!
Der Sprachunterricht wird hier ganz ohne Wörterbuch geführt und meine Deutschlehrerin ist schon verzweifelt auf der Suche nach einer günstigen Beschaffung. Die Schüler sind fasziniert und total motiviert mit Wörterbüchern zu lernen. Ich fände es toll, wenn einige zusammen kommen würden. Ich habe zwar 50 Euro Spenden übrig, aber es wäre natürlich toll, wenn ich davon die ebenfalls benötigten französisch-englischen Wörterbücher kaufen könnte.
Meine Mutter besucht mich an Weihnachten und es wäre wirklich großartig, wenn sie einige Wörterbücher im Gepäck haben könnte. Bitte schreibt mir, wenn ihr welche schicken wollt und ich gebe euch die Adresse. Ich möchte nicht hier so offen ihre Anschrift angeben.
AKPE KAKA, MERCI und DANKE schon mal im Voraus!!
Von Freude, Familie, Rückschlägen und schlechtem Handyempfang
Eigentlich denke ich ja immer, ich wäre ein sehr toleranter Mensch. Zumindest doch meinen Mitbewohnern gegenüber. Ich hatte ja jetzt schon einige. Doch nie war so ein hässliches und haariges Ungetüm dabei, wie hier in Togo. Meine erste Nacht in meiner Gastfamilie wurde von ihrer Anwesenheit sprichwörtlich überschattet. Sie hing an meiner geblümten Mädchenzimmerdecke und starrte mich an. Ich starrte zurück. Doch als sie sich weiter an den Wänden entlang hangelte und sich dabei zu einer handtellergroßen Riesenspinne herausbildete, verzog ich mich dann doch in mein semi-sicheres Moskitonetz. Todesmutig habe ich diese kurze Nacht verbracht, immer ein Auge wachsam geöffnet. Entgegen meiner eben gepriesenen Toleranz, wurde am nächsten Morgen dennoch chemischer Waffeneinsatz befürwortet. Dennoch musste ich noch einige Tage auf den Kadaver meiner ungeliebten Mitbewohnerin warten...
Nach diesem kurzen Intermezzo zu Beginn lebe ich mich nun nach knapp vier Wochen bei meiner Gastfamilie sehr gut ein. Meine Familie besteht aus meiner Gastmutter Innocente, ihrer elfjährigen Nichte Massimè und meinen beiden Gastbrüdern, dem einundzwanzigjährigen Innocent und dem fünfundzwanzigjährigen Selom, die nicht wirklich ihre Söhne sind, aber hier wohnen und arbeiten. Man sieht, eine Patchworkfamilie wie aus dem togolesischen Kinderbuch. Zudem besitzt Mama Inno hier in Agou Nyogbo die weitaus schönste Bar im Bezirk, was mein Zuhause immer zu einem begehrten Ausflugsziel macht und mir einige Anfahrten zu anderen Menschen erspart. Kurz, ich bin sehr zufrieden mit meiner Familie.
Da nun aber doch schon einige Zeit seit meinem letzten Bericht vergangen ist, werde ich den nachfolgenden Text ein wenig deutlicher strukturieren. So wird`s übersichtlicher und ihr könnt euch leichter rauspicken, was euch interessiert. Also, los geht’s.
Projekt_Centre de Jeunesse
Ende September, bevor wir in die Gastfamilien und unsere eigentlichen Projekte gestartet sind, hatten wir noch zwei Wochen, in denen wir uns um das Jugendzentrum ASTOVOT's kümmern konnten. Die Freiwilligen Generation vor uns hatte Spenden gesammelt, einen Seminarraum und eine Bibliothek gebaut. Für uns ging es nun darum, weiter an dem Spielplatz, den Toiletten und dem Garten zu feilen. Es wurden Karren an Sand geschippt, Unkraut gejätet, Stämme weggeaxt, Blumen und Bäume gepflanzt. Blut und Schweiß sind geflossen, Muskelkater und Blasen inklusive. Doch fertig sind wir wohl noch länger nicht. Aber es war richtig wohltuend nach dieser ganzen Zeit voller Vorbereitungsseminare, dem sich ewig Gedanken-machens, nun endlich was Sinnvolles zu tun und sich die feinen weißen Akademikerhändchen mal so richtig dreckig zu machen. Bis zum Februar sollten wir jedoch fertig sein, denn dann wird das Projekt eingeweiht und wir bekommen zu diesem Anlass auch Besuch von unserer Koordinatorin der deutschen Organisation.
Projekt_Schule in Agou Nyogbo
Seit Anfang Oktober arbeite ich nun endlich in meinem Projekt: Ich assistiere in Deutsch und Englisch am „Lycée des 2 Nyogbo“. Vieles ist anders. Einiges wie erwartet, anderes leider auch nicht. Unser Lycée ist auf dem gleichen Gelände wie die École Primaire und das Collège, es besteht aus zwei Klassen, der Seconde und der Première, was bei uns mit der 11. und 12. Klasse vergleichbar ist. Leider müssen unsere Schüler für ihr Abschlussjahr und das Abitur ins nächst größere Dorf gehen, da unsere Schule das (noch) nicht anbieten kann. Die Klassengrößen sind beim Deutschunterricht mit 30-40 Leuten recht angenehm. In Englisch sitzen dann schon 60 mehr oder minder lernbereite Schüler. Dennoch beschwere ich mich keineswegs. In der Unterstufe gibt es eine Klasse mit 101 Schüler. Individuelle Förderung? Gut, alles keine Überraschung, darauf war ich vorbereitet. Meine Deutschlehrerin und mein Englischlehrer sind sehr begeistert, dass ich da bin und freuen sich sehr, dass ich ihnen helfen kann. Das ist zumindest die Aussage, bisher sitze ich selber fast nur im Unterricht und lerne, wie das togolesische Lehr- und Schulprinzip funktioniert.
Um 7Uhr beginnt die erste Stunde (jede Stunde à 55 Minuten, ein Schüler aus der Première kündigt das Ende jeder Stunde mit einer Trillerpfeife an), um 10Uhr gibt es die 20 Minuten Pause und um 12Uhr ist der Vormittagsunterricht vorbei. Das heißt für mich nachhause, duschen, essen und sich drei Stunden bei der Siesta vor der brennenden Sonne verstecken. Um 15Uhr geht es dann wieder los. Das heißt, Hausaufgabenbetreuung, Schulgartenpflege. Kann aber auch, als beliebte Mädchenbeschäftigung, Wäsche waschen für den Lehrer bedeuten.
Der Lehrer genießt generell eine höhere Achtung bei den Schülern als in Deutschland. Da wird die Tasche getragen, die Bank geputzt, bevor man sich setzt, das Essen ins Lehrerzimmer gebracht, die Tafel freiwillig sauber gewischt, bei Fragen und Begrüßung aufgestanden, das Lehrerzimmer gereinigt und das Moto des Lehrers vor dem tropischen Regen untergestellt.
Der Unterricht an sich steht und fällt mit dem Vorbereitungsblatt des Lehrers, ohne das er an sich, hart wie es sich anhören mag, eigentlich hilflos ist. Darauf stehen die Themen des Tages, die vorbereiteten Lernsätze und Beispiele und die Hausaufgaben. Das wird an die Tafel geschrieben. Fragen tut keiner, verstehen tun es alle. Bis man dann doch mehr oder minder aus Versehen oder aufgrund des Lehrplans eine Frage an die Klasse stellt und schweigende Gesichter zurück starren. Wohin würdet ihr gerne mal reisen und warum? Puh. Als Frage in der 12. Klasse kann das schon mal zu größeren Schwierigkeiten führen. Die Antwort konnte man bisher ja nirgendwo auswendig lernen. Interaktion? Fehlanzeige. Aber dann wieder die Überlegung, inwiefern das mit 60 Leuten auch möglich wäre. Dann doch lieber wieder den Zettel raus kramen und weiter im Text. Das Niveau ist gemessen an den deutschen Gymnasien schlichtweg miserabel. Nach sieben Jahren Englisch werden in der Oberstufe noch Konditionalsätze durchgekaut. Mein Englischlehrer meinte, selbst wenn man nur wenige Englischvokabeln kennt, auf die Grammatik kommt es an. Das kann natürlich in einer Konversation schon mal recht einseitig werden. Die Lehrer müssen einfach auf die Schüler bauen, die sich durchbeißen. Alles mitbekommen und sich an die Lehrmethoden gewöhnt haben. Die Prüfungen sind nämlich im Vergleich zum Unterricht wirklich sehr anspruchsvoll. Letztes Jahr sind im Abitur 63% der Schüler durchgefallen. In Deutschland gäbe es einen Volksaufstand. In Togo hingegen Schüler, die mit 20 Jahren immer noch oder besser immer wieder in der 7. Klasse sitzen. Aber man darf nicht vergessen, ich kenne auch sehr motivierte Schüler. Kinder die mit 14 in der 11. Klasse sitzen und mir mein Wörterbuch quasi aus der Hand reißen, um sich noch schnell Vokabeln raus zuschreiben. Nur gehen diese Schüler leider viel zu oft bei dem turbulenten Unterricht unter, langweilen sich zu Tode oder nerven dann doch noch mal mit. Aber wem könnte man es verdenken.
Thema Ausrüstung und Unterrichtsmaterial. Es gibt viele Zweierbänke, zwei Tafeln und Kreide. Manchmal auch Textbücher, aber die hat der Lehrer, die Schüler teilen sich Kopien, die sie vorher bezahlen mussten. Wörterbücher gibt es keine. Die Schüler lechzen aber wie gesagt geradezu danach. Aber dazu später mehr.
Zum Schluss dieses Abschnitts noch mein Lieblingsthema und wahrscheinlich das, mit dem ich mich am meisten auseinandergesetzt und mit dem Schlimmsten gerechnet habe und dennoch negativ überrascht wurde. Prügelstrafen in der Schule! Zu meinem Glück wird im Lycée damit aufgehört, zum Pech der Schüler werden wahrscheinlich alle Prügel in der Unterstufe aufgebraucht. Es gab hier schon viele hitzige Diskussionen. Meine Position ist und bleibt immer die gleiche. Alles was über einen Klaps auf die Schulter hinausgeht, sollte verboten sein! Ich habe an der Grundschule schon Geschrei gehört, dass ich Gänsehaut bekommen habe und dann hilflos zuschauen musste, wie ein kleines Kind vor einem Lehrer weglief, der es seelenruhig verfolgte und mit dem Stock geschlagen hat. Auf das, was er gerade eben erwischen konnte. Gerade nach Testrückgaben sind Schläge eine beliebte Erziehungsmethode. Die Kleineren kriegen auf den Hintern, was sich harmloser anhören mag, als es letztendlich ist, die Größeren müssen die Arme ausstrecken. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde, die Schüler, die unentwegt weinen oder die, die sich einfach ohne zu Zucken schlagen lassen und dann wieder auf ihre Plätzen verschwinden. Einige Schlauen haben sich in Erwartung eines schlechten Ergebnisses schon mal zur Sicherheit den Hintern gepolstert. Meine erste Konsequenz ist, dass ich meinen Englischlehrer nicht mehr in die Unterstufe begleiten werde. Dabei ist mein Lehrer noch einer der „Harmlosen“. Es gibt Geschichten von einem Lehrer, der auch auf dem Flur schon anfängt und sich dann quasi durch seine Stunde prügelt. Beliebt bei ihm sind die Ohren, was aufgrund der physiognomischen Nähe dann doch meistens auf dem Kopf landet. Es gibt schlimmere und weniger schlimme Lehrer, aber dieser Job kann hier jedenfalls den Zugang eröffnen, um eventuelle Aggressionen (vielleicht auch Neigungen?) loszuwerden. Aber um das vollständig zu diskutieren, werde ich vielleicht mal einen separaten Bericht schreiben müssen.
Um den Abschnitt dennoch positiv enden zu lassen. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Lehrern, gerade mit meiner jungen Deutschlehrerin, die wirklich sehr motiviert ist und auch mal einen etwas anderen Unterrichtsstil verfolgt. In Deutsch habe ich auch schon eine Stunde Unterricht selber gehalten und werde immer wieder zu Erklärungen in die Zange genommen. Ich denke, da kann sich noch einiges an Mitarbeit ergeben. Der wöchentliche Deutschklub ist in Arbeit und Nachhilfestunden gebe ich bereits. Ebenso werde ich bald einen Englisch Lese- und Sprachkurs leiten, um einem kleinen Teil der bisher benachteiligten Schülern ein bisschen unter die Arme zugreifen. Alles andere wird sich hoffentlich bald zeigen. Was kann man erwarten, so lange bin ich ja auch noch nicht da.
Lebens_Stil
Agou Nyogbo ist ein Dorf mit circa 1000 Einwohnern und, im Vergleich zu allen anderen Dörfern und auch Kpalimé, eine wahre Augenweide. Direkt am höchsten Berg Togos gelegen (immerhin knapp 1100Meter), lebt man hier quasi umgeben von tropischem Regenwald. Alles ist grün und gerade in der etwas langen Regenzeit auch des Öfteren sehr feucht. Die Tage sind vormittags sehr sonnig und heiß, am Nachmittag regnet es noch oft. Aber nicht nur ein bisschen, sondern in tropischen Regengüssen. Über die deutschen Gewitter werde ich bald nur noch lächeln. Hier steht das Leben dann auch während des Regens still und nichts geht mehr.
Ich wohne wie bereits gesagt in meiner Gastfamilie in der Bar. Man geht von der Straße aus an der Theke vorbei und landet dann in dem Innenhof, in dem sich das Leben abspielt. Da es ja immer warm ist, gibt es auch nur Sitzplätze draußen, die sind aber überdacht und somit vor Regen geschützt. Mein Zimmer ist ein freistehendes, vielleicht 15qm großes Häusschen mit Wellblechdach, zentral gelegen auf dem Innenhof und hat alles was ein „Prinzessinnenzimmer“ ausmachen sollte: blaue Tapete, Blümchendecke und rosa Blumenvorhänge. Ich bin sehr zufrieden. Die Zeit in Kpalimé hat mir gezeigt, wie sehr ich mich über Privatsphäre freuen sollte und das tue ich auch. Ich mag mein Zimmer jedenfalls sehr. Gegenüber ist die Küche, wo sich meine Gastmama am liebsten aufhält. Für Interessierte, es wird hier auf Kohle gekocht. Daneben ist die Dusche und daneben dann die Ecke fürs kleine Geschäft. Ersteres wird mit einem Eimer erledigt, letzteres einfach auf einem Stein und hinter einem Strohvorhang. Aber ich genieße wirklich die kalte Dusche mit dem Eimer, vielleicht ein Grund, warum ich manchmal bis zu drei Mal am Tag duschen muss. Wenn man an meinem Zimmer vorbeigeht, sind dort die Häusschen von meinem jüngeren Gastonkel und meiner Gastoma und natürlich die Toilette für größere Dinge. An meinem ersten Morgen überraschten mich bestimmt zehn riesige Kakerlaken als ich aufs Plumpsklo wollte. Jetzt überraschen sie mich zumindest nicht mehr. Kinder, was soll ich sagen. Was muss, das muss, Thema erledigt.
Rami und Jakob, die anderen beiden Volontäre von ASTOVOT, und Greg, ein Volontär aus Belgien, wohnen circa 5 Minuten weg. Sie haben eine Männer-WG und müssen immer zu ihren Gastfamilien gehen um zu Essen. Ich bevorzuge meinen Lebensstil, auch wenn es manchmal stressig ist, lebe ich lieber mitten in der Familie. Außerdem wenn es mir mal zu viel wird, gehe ich eben rüber zu den Jungs. Also, eigentlich alles prima. Außer dem Handyempfang-Problem. Nachdem ich ja doch überrascht bin (wahrscheinlich alle anderen auch), dass es so guten Handyempfang in Togo gibt, wird man ja direkt anspruchsvoll und verlangt überall Zugang ins Netz. Gibt es auch. Nur meistens nicht in meinem Zimmer. Das heißt also immer ab auf die Straße zum Telefonieren. Aber auch daran gewöhnt man sich.
Lebens_Art
Ich bin mit 14Stunden Schule, plus den Nachhilfestunden und der Arbeit in der Bibliothek relativ ausgelastet. Man muss ja auch meine drei Stunden Pause dazurechnen, in denen ich mich schlichtweg erholen muss. Meine Familie denkt meistens ich schlafe, dabei lese ich auch. Manchmal. Aber wirklich, ein bisschen Abstand brauche ich auch. Das wird nicht unbedingt verstanden, aber doch akzeptiert. Der Tag beginnt hier für mich zwischen 5 und 5.30Uhr, meine Gastmutter steht um 3.30Uhr auf, um vorne an der Straße Frühstück an die vorbeieilenden Schüler zu verkaufen. Jeden Tag bis auf Sonntag, da darf es dann auch mal 5.30Uhr sein. Da aber jeden Morgen sowieso der Innenhof gefegt wird, werde ich also ebenfalls wach. Aber kein Ding, ich war ja auch sicherlich zwischen 8 und 10Uhr abends im Bett. Ihr seht, Partyzeiten liegen hier etwas anders. Ich gehe dann morgens unter dem kritischem Auge meiner Mutter und zur Belustigung wahrscheinlich aller Dorfbewohner erst einmal eine Runde Joggen. Dann frühstücken und ab geht es wie damals zur Schule. Ich habe einen Schulweg von circa 20 Minuten und wahrscheinlich den schönsten Weg zur Schule, den man sich vorstellen kann. Vorbei an Kakaopflanzen, Palmen und auf roter Erde haste ich aber leider meistens doch unter Zeitdruck los. Denn das zu-spät-Kommen ist entgegen vieler Vorurteile, kein normales Verhalten in Togo. Nachmittags, nach meiner Pause, gehe ich entweder in die Bibliothek oder gebe Nachhilfestunden. Ich setze mich auch oft zu meiner Gastmama und schaue mir einfach die Lebenskultur an.
Ich weiß jetzt endgültig, wie man Fufu stampft. Auch wenn ich selber immer nur mal kurz ran darf. Das „fragile“ Deutschchen soll sich mal nicht überanstrengen. so ungefähr sagte Mama Inno und reichte den Stampfer an meine elfjährige, circa drei Köpfe kleinere Gastschwester weiter. Was wahrscheinlich stimmt, sie ist traurigerweise wirklich kräftiger als ich. Ich weiß nun auch, was mit Kakao so alles passiert, bevor man die Nesquik Dose öffnet (Wollt ihr wirklich alles wissen?;)). Ich kenne die verschiedenen Tötungsarten von Hühnern und Schafen (leider manchmal auch Katzen - die werden wohl ertränkt). Ich höre Geschichten von Töchtern und Söhnen, die nach Deutschland, Ghana oder sonst wo in die Welt gehen. Ich treffe Millionen Menschen, die verlangen, dass ich sie sofort wieder erkenne. Ich lerne auch, dass man nicht einfach alles abnicken sollte, wenn man es mal nicht versteht. Ich werde jedenfalls nicht noch einmal auf einer Beerdigung erscheinen, in FlipFlops und Tanktop, weil ich dachte, es ginge in die Stadt. Sonntags gehe ich stundenlang in die Kirche. Das längste waren bisher knapp vier Stunden, ich wäre beinahe hypenventiliert ohne Wasser in der Hitze unter dem Wellblechdach. Aber es ist wirklich immer wieder ein Erlebnis, jeden Sonntag. Aber die Hälfte würde mir halt auch reichen. Ich brumme sogar im Kirchenchor mit, um ein bisschen Freizeit mit meiner Mutter und anderen Togolesen zu verbringen. Ansonsten verbringe ich meine Samstagvormittage mit meiner Mutter auf dem Wochenmarkt, der mich jedes mal total fertig macht, weil es einfach so viel zu sehen, zu riechen und Menschen gibt, dass ich schier wahnsinnig werde. Die Yovo-Schreie gellen immer noch durch die Straßen, ich drehe mich aber nur noch zu den Kleinsten um. Bei Erwachsenen muss ich manchmal wirklich zurückhalten, um nicht auszurasten. So kann es gehen mit den Toleranz. Die Freitag- und öfter Samstagabende gehören den Volontären. Wir gehen möglichst europäisch essen, für viele wichtig, mir noch sehr egal, bei meiner Mutter esse ich prima und bin zufrieden. Danach gehen wir in eine Bar oder einen Club. Manchmal muss das auch sein, habe ich festgestellt. Dennoch ist es schon anders in den Gastfamilien. Manche müssen um 21Uhr zuhause sein, die können natürlich nicht mehr mitkommen. Ich habe Glück bei mir ist es egal, wann ich nachhause komme. Ich soll nur nicht alleine im Dunkeln ein Taxi nehmen, man hört immer wieder Gruselgeschichten.
In der Gegend umher wandern gehört auch zu den Tipps in meinem LonelyPlanet, das schaffe ich leider nicht so oft wie ich will. Dafür lese ich unheimliche Mengen an englischer und französischer Literatur, wirklich haufenweise. Die übrige Zeit verbringe ich mit Rami und Greg, gerne auch bei mir in der Bar. Da ist es dann nicht mehr allzu weit in mein geliebtes Bett. Ihr seht, es ist anders als in Deutschland. Aber nicht unbedingt schlechter, nur anders. Am langen Wochenende über Allerheiligen geht es für uns Volontäre aber mal zu einem Kurzurlaub nach Lomé. Ein bisschen Strand, Sonne, ein Bierchen oder zwei - ein bisschen europäisches Vergnügen eben.
Ihr seht – mir geht es gut. Ein gewisser Alltag ist eingekehrt.
Ich überlasse euch aber nun endlich wieder dem produktiven europäischen Tagesgeschäft und verabschiede mich nach einem ewig langen Bericht mit sonnigen Grüßen aus Togo,
Eure Sabrina
Nach diesem kurzen Intermezzo zu Beginn lebe ich mich nun nach knapp vier Wochen bei meiner Gastfamilie sehr gut ein. Meine Familie besteht aus meiner Gastmutter Innocente, ihrer elfjährigen Nichte Massimè und meinen beiden Gastbrüdern, dem einundzwanzigjährigen Innocent und dem fünfundzwanzigjährigen Selom, die nicht wirklich ihre Söhne sind, aber hier wohnen und arbeiten. Man sieht, eine Patchworkfamilie wie aus dem togolesischen Kinderbuch. Zudem besitzt Mama Inno hier in Agou Nyogbo die weitaus schönste Bar im Bezirk, was mein Zuhause immer zu einem begehrten Ausflugsziel macht und mir einige Anfahrten zu anderen Menschen erspart. Kurz, ich bin sehr zufrieden mit meiner Familie.
Da nun aber doch schon einige Zeit seit meinem letzten Bericht vergangen ist, werde ich den nachfolgenden Text ein wenig deutlicher strukturieren. So wird`s übersichtlicher und ihr könnt euch leichter rauspicken, was euch interessiert. Also, los geht’s.
Projekt_Centre de Jeunesse
Ende September, bevor wir in die Gastfamilien und unsere eigentlichen Projekte gestartet sind, hatten wir noch zwei Wochen, in denen wir uns um das Jugendzentrum ASTOVOT's kümmern konnten. Die Freiwilligen Generation vor uns hatte Spenden gesammelt, einen Seminarraum und eine Bibliothek gebaut. Für uns ging es nun darum, weiter an dem Spielplatz, den Toiletten und dem Garten zu feilen. Es wurden Karren an Sand geschippt, Unkraut gejätet, Stämme weggeaxt, Blumen und Bäume gepflanzt. Blut und Schweiß sind geflossen, Muskelkater und Blasen inklusive. Doch fertig sind wir wohl noch länger nicht. Aber es war richtig wohltuend nach dieser ganzen Zeit voller Vorbereitungsseminare, dem sich ewig Gedanken-machens, nun endlich was Sinnvolles zu tun und sich die feinen weißen Akademikerhändchen mal so richtig dreckig zu machen. Bis zum Februar sollten wir jedoch fertig sein, denn dann wird das Projekt eingeweiht und wir bekommen zu diesem Anlass auch Besuch von unserer Koordinatorin der deutschen Organisation.
Projekt_Schule in Agou Nyogbo
Seit Anfang Oktober arbeite ich nun endlich in meinem Projekt: Ich assistiere in Deutsch und Englisch am „Lycée des 2 Nyogbo“. Vieles ist anders. Einiges wie erwartet, anderes leider auch nicht. Unser Lycée ist auf dem gleichen Gelände wie die École Primaire und das Collège, es besteht aus zwei Klassen, der Seconde und der Première, was bei uns mit der 11. und 12. Klasse vergleichbar ist. Leider müssen unsere Schüler für ihr Abschlussjahr und das Abitur ins nächst größere Dorf gehen, da unsere Schule das (noch) nicht anbieten kann. Die Klassengrößen sind beim Deutschunterricht mit 30-40 Leuten recht angenehm. In Englisch sitzen dann schon 60 mehr oder minder lernbereite Schüler. Dennoch beschwere ich mich keineswegs. In der Unterstufe gibt es eine Klasse mit 101 Schüler. Individuelle Förderung? Gut, alles keine Überraschung, darauf war ich vorbereitet. Meine Deutschlehrerin und mein Englischlehrer sind sehr begeistert, dass ich da bin und freuen sich sehr, dass ich ihnen helfen kann. Das ist zumindest die Aussage, bisher sitze ich selber fast nur im Unterricht und lerne, wie das togolesische Lehr- und Schulprinzip funktioniert.
Um 7Uhr beginnt die erste Stunde (jede Stunde à 55 Minuten, ein Schüler aus der Première kündigt das Ende jeder Stunde mit einer Trillerpfeife an), um 10Uhr gibt es die 20 Minuten Pause und um 12Uhr ist der Vormittagsunterricht vorbei. Das heißt für mich nachhause, duschen, essen und sich drei Stunden bei der Siesta vor der brennenden Sonne verstecken. Um 15Uhr geht es dann wieder los. Das heißt, Hausaufgabenbetreuung, Schulgartenpflege. Kann aber auch, als beliebte Mädchenbeschäftigung, Wäsche waschen für den Lehrer bedeuten.
Der Lehrer genießt generell eine höhere Achtung bei den Schülern als in Deutschland. Da wird die Tasche getragen, die Bank geputzt, bevor man sich setzt, das Essen ins Lehrerzimmer gebracht, die Tafel freiwillig sauber gewischt, bei Fragen und Begrüßung aufgestanden, das Lehrerzimmer gereinigt und das Moto des Lehrers vor dem tropischen Regen untergestellt.
Der Unterricht an sich steht und fällt mit dem Vorbereitungsblatt des Lehrers, ohne das er an sich, hart wie es sich anhören mag, eigentlich hilflos ist. Darauf stehen die Themen des Tages, die vorbereiteten Lernsätze und Beispiele und die Hausaufgaben. Das wird an die Tafel geschrieben. Fragen tut keiner, verstehen tun es alle. Bis man dann doch mehr oder minder aus Versehen oder aufgrund des Lehrplans eine Frage an die Klasse stellt und schweigende Gesichter zurück starren. Wohin würdet ihr gerne mal reisen und warum? Puh. Als Frage in der 12. Klasse kann das schon mal zu größeren Schwierigkeiten führen. Die Antwort konnte man bisher ja nirgendwo auswendig lernen. Interaktion? Fehlanzeige. Aber dann wieder die Überlegung, inwiefern das mit 60 Leuten auch möglich wäre. Dann doch lieber wieder den Zettel raus kramen und weiter im Text. Das Niveau ist gemessen an den deutschen Gymnasien schlichtweg miserabel. Nach sieben Jahren Englisch werden in der Oberstufe noch Konditionalsätze durchgekaut. Mein Englischlehrer meinte, selbst wenn man nur wenige Englischvokabeln kennt, auf die Grammatik kommt es an. Das kann natürlich in einer Konversation schon mal recht einseitig werden. Die Lehrer müssen einfach auf die Schüler bauen, die sich durchbeißen. Alles mitbekommen und sich an die Lehrmethoden gewöhnt haben. Die Prüfungen sind nämlich im Vergleich zum Unterricht wirklich sehr anspruchsvoll. Letztes Jahr sind im Abitur 63% der Schüler durchgefallen. In Deutschland gäbe es einen Volksaufstand. In Togo hingegen Schüler, die mit 20 Jahren immer noch oder besser immer wieder in der 7. Klasse sitzen. Aber man darf nicht vergessen, ich kenne auch sehr motivierte Schüler. Kinder die mit 14 in der 11. Klasse sitzen und mir mein Wörterbuch quasi aus der Hand reißen, um sich noch schnell Vokabeln raus zuschreiben. Nur gehen diese Schüler leider viel zu oft bei dem turbulenten Unterricht unter, langweilen sich zu Tode oder nerven dann doch noch mal mit. Aber wem könnte man es verdenken.
Thema Ausrüstung und Unterrichtsmaterial. Es gibt viele Zweierbänke, zwei Tafeln und Kreide. Manchmal auch Textbücher, aber die hat der Lehrer, die Schüler teilen sich Kopien, die sie vorher bezahlen mussten. Wörterbücher gibt es keine. Die Schüler lechzen aber wie gesagt geradezu danach. Aber dazu später mehr.
Zum Schluss dieses Abschnitts noch mein Lieblingsthema und wahrscheinlich das, mit dem ich mich am meisten auseinandergesetzt und mit dem Schlimmsten gerechnet habe und dennoch negativ überrascht wurde. Prügelstrafen in der Schule! Zu meinem Glück wird im Lycée damit aufgehört, zum Pech der Schüler werden wahrscheinlich alle Prügel in der Unterstufe aufgebraucht. Es gab hier schon viele hitzige Diskussionen. Meine Position ist und bleibt immer die gleiche. Alles was über einen Klaps auf die Schulter hinausgeht, sollte verboten sein! Ich habe an der Grundschule schon Geschrei gehört, dass ich Gänsehaut bekommen habe und dann hilflos zuschauen musste, wie ein kleines Kind vor einem Lehrer weglief, der es seelenruhig verfolgte und mit dem Stock geschlagen hat. Auf das, was er gerade eben erwischen konnte. Gerade nach Testrückgaben sind Schläge eine beliebte Erziehungsmethode. Die Kleineren kriegen auf den Hintern, was sich harmloser anhören mag, als es letztendlich ist, die Größeren müssen die Arme ausstrecken. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde, die Schüler, die unentwegt weinen oder die, die sich einfach ohne zu Zucken schlagen lassen und dann wieder auf ihre Plätzen verschwinden. Einige Schlauen haben sich in Erwartung eines schlechten Ergebnisses schon mal zur Sicherheit den Hintern gepolstert. Meine erste Konsequenz ist, dass ich meinen Englischlehrer nicht mehr in die Unterstufe begleiten werde. Dabei ist mein Lehrer noch einer der „Harmlosen“. Es gibt Geschichten von einem Lehrer, der auch auf dem Flur schon anfängt und sich dann quasi durch seine Stunde prügelt. Beliebt bei ihm sind die Ohren, was aufgrund der physiognomischen Nähe dann doch meistens auf dem Kopf landet. Es gibt schlimmere und weniger schlimme Lehrer, aber dieser Job kann hier jedenfalls den Zugang eröffnen, um eventuelle Aggressionen (vielleicht auch Neigungen?) loszuwerden. Aber um das vollständig zu diskutieren, werde ich vielleicht mal einen separaten Bericht schreiben müssen.
Um den Abschnitt dennoch positiv enden zu lassen. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Lehrern, gerade mit meiner jungen Deutschlehrerin, die wirklich sehr motiviert ist und auch mal einen etwas anderen Unterrichtsstil verfolgt. In Deutsch habe ich auch schon eine Stunde Unterricht selber gehalten und werde immer wieder zu Erklärungen in die Zange genommen. Ich denke, da kann sich noch einiges an Mitarbeit ergeben. Der wöchentliche Deutschklub ist in Arbeit und Nachhilfestunden gebe ich bereits. Ebenso werde ich bald einen Englisch Lese- und Sprachkurs leiten, um einem kleinen Teil der bisher benachteiligten Schülern ein bisschen unter die Arme zugreifen. Alles andere wird sich hoffentlich bald zeigen. Was kann man erwarten, so lange bin ich ja auch noch nicht da.
Lebens_Stil
Agou Nyogbo ist ein Dorf mit circa 1000 Einwohnern und, im Vergleich zu allen anderen Dörfern und auch Kpalimé, eine wahre Augenweide. Direkt am höchsten Berg Togos gelegen (immerhin knapp 1100Meter), lebt man hier quasi umgeben von tropischem Regenwald. Alles ist grün und gerade in der etwas langen Regenzeit auch des Öfteren sehr feucht. Die Tage sind vormittags sehr sonnig und heiß, am Nachmittag regnet es noch oft. Aber nicht nur ein bisschen, sondern in tropischen Regengüssen. Über die deutschen Gewitter werde ich bald nur noch lächeln. Hier steht das Leben dann auch während des Regens still und nichts geht mehr.
Ich wohne wie bereits gesagt in meiner Gastfamilie in der Bar. Man geht von der Straße aus an der Theke vorbei und landet dann in dem Innenhof, in dem sich das Leben abspielt. Da es ja immer warm ist, gibt es auch nur Sitzplätze draußen, die sind aber überdacht und somit vor Regen geschützt. Mein Zimmer ist ein freistehendes, vielleicht 15qm großes Häusschen mit Wellblechdach, zentral gelegen auf dem Innenhof und hat alles was ein „Prinzessinnenzimmer“ ausmachen sollte: blaue Tapete, Blümchendecke und rosa Blumenvorhänge. Ich bin sehr zufrieden. Die Zeit in Kpalimé hat mir gezeigt, wie sehr ich mich über Privatsphäre freuen sollte und das tue ich auch. Ich mag mein Zimmer jedenfalls sehr. Gegenüber ist die Küche, wo sich meine Gastmama am liebsten aufhält. Für Interessierte, es wird hier auf Kohle gekocht. Daneben ist die Dusche und daneben dann die Ecke fürs kleine Geschäft. Ersteres wird mit einem Eimer erledigt, letzteres einfach auf einem Stein und hinter einem Strohvorhang. Aber ich genieße wirklich die kalte Dusche mit dem Eimer, vielleicht ein Grund, warum ich manchmal bis zu drei Mal am Tag duschen muss. Wenn man an meinem Zimmer vorbeigeht, sind dort die Häusschen von meinem jüngeren Gastonkel und meiner Gastoma und natürlich die Toilette für größere Dinge. An meinem ersten Morgen überraschten mich bestimmt zehn riesige Kakerlaken als ich aufs Plumpsklo wollte. Jetzt überraschen sie mich zumindest nicht mehr. Kinder, was soll ich sagen. Was muss, das muss, Thema erledigt.
Rami und Jakob, die anderen beiden Volontäre von ASTOVOT, und Greg, ein Volontär aus Belgien, wohnen circa 5 Minuten weg. Sie haben eine Männer-WG und müssen immer zu ihren Gastfamilien gehen um zu Essen. Ich bevorzuge meinen Lebensstil, auch wenn es manchmal stressig ist, lebe ich lieber mitten in der Familie. Außerdem wenn es mir mal zu viel wird, gehe ich eben rüber zu den Jungs. Also, eigentlich alles prima. Außer dem Handyempfang-Problem. Nachdem ich ja doch überrascht bin (wahrscheinlich alle anderen auch), dass es so guten Handyempfang in Togo gibt, wird man ja direkt anspruchsvoll und verlangt überall Zugang ins Netz. Gibt es auch. Nur meistens nicht in meinem Zimmer. Das heißt also immer ab auf die Straße zum Telefonieren. Aber auch daran gewöhnt man sich.
Lebens_Art
Ich bin mit 14Stunden Schule, plus den Nachhilfestunden und der Arbeit in der Bibliothek relativ ausgelastet. Man muss ja auch meine drei Stunden Pause dazurechnen, in denen ich mich schlichtweg erholen muss. Meine Familie denkt meistens ich schlafe, dabei lese ich auch. Manchmal. Aber wirklich, ein bisschen Abstand brauche ich auch. Das wird nicht unbedingt verstanden, aber doch akzeptiert. Der Tag beginnt hier für mich zwischen 5 und 5.30Uhr, meine Gastmutter steht um 3.30Uhr auf, um vorne an der Straße Frühstück an die vorbeieilenden Schüler zu verkaufen. Jeden Tag bis auf Sonntag, da darf es dann auch mal 5.30Uhr sein. Da aber jeden Morgen sowieso der Innenhof gefegt wird, werde ich also ebenfalls wach. Aber kein Ding, ich war ja auch sicherlich zwischen 8 und 10Uhr abends im Bett. Ihr seht, Partyzeiten liegen hier etwas anders. Ich gehe dann morgens unter dem kritischem Auge meiner Mutter und zur Belustigung wahrscheinlich aller Dorfbewohner erst einmal eine Runde Joggen. Dann frühstücken und ab geht es wie damals zur Schule. Ich habe einen Schulweg von circa 20 Minuten und wahrscheinlich den schönsten Weg zur Schule, den man sich vorstellen kann. Vorbei an Kakaopflanzen, Palmen und auf roter Erde haste ich aber leider meistens doch unter Zeitdruck los. Denn das zu-spät-Kommen ist entgegen vieler Vorurteile, kein normales Verhalten in Togo. Nachmittags, nach meiner Pause, gehe ich entweder in die Bibliothek oder gebe Nachhilfestunden. Ich setze mich auch oft zu meiner Gastmama und schaue mir einfach die Lebenskultur an.
Ich weiß jetzt endgültig, wie man Fufu stampft. Auch wenn ich selber immer nur mal kurz ran darf. Das „fragile“ Deutschchen soll sich mal nicht überanstrengen. so ungefähr sagte Mama Inno und reichte den Stampfer an meine elfjährige, circa drei Köpfe kleinere Gastschwester weiter. Was wahrscheinlich stimmt, sie ist traurigerweise wirklich kräftiger als ich. Ich weiß nun auch, was mit Kakao so alles passiert, bevor man die Nesquik Dose öffnet (Wollt ihr wirklich alles wissen?;)). Ich kenne die verschiedenen Tötungsarten von Hühnern und Schafen (leider manchmal auch Katzen - die werden wohl ertränkt). Ich höre Geschichten von Töchtern und Söhnen, die nach Deutschland, Ghana oder sonst wo in die Welt gehen. Ich treffe Millionen Menschen, die verlangen, dass ich sie sofort wieder erkenne. Ich lerne auch, dass man nicht einfach alles abnicken sollte, wenn man es mal nicht versteht. Ich werde jedenfalls nicht noch einmal auf einer Beerdigung erscheinen, in FlipFlops und Tanktop, weil ich dachte, es ginge in die Stadt. Sonntags gehe ich stundenlang in die Kirche. Das längste waren bisher knapp vier Stunden, ich wäre beinahe hypenventiliert ohne Wasser in der Hitze unter dem Wellblechdach. Aber es ist wirklich immer wieder ein Erlebnis, jeden Sonntag. Aber die Hälfte würde mir halt auch reichen. Ich brumme sogar im Kirchenchor mit, um ein bisschen Freizeit mit meiner Mutter und anderen Togolesen zu verbringen. Ansonsten verbringe ich meine Samstagvormittage mit meiner Mutter auf dem Wochenmarkt, der mich jedes mal total fertig macht, weil es einfach so viel zu sehen, zu riechen und Menschen gibt, dass ich schier wahnsinnig werde. Die Yovo-Schreie gellen immer noch durch die Straßen, ich drehe mich aber nur noch zu den Kleinsten um. Bei Erwachsenen muss ich manchmal wirklich zurückhalten, um nicht auszurasten. So kann es gehen mit den Toleranz. Die Freitag- und öfter Samstagabende gehören den Volontären. Wir gehen möglichst europäisch essen, für viele wichtig, mir noch sehr egal, bei meiner Mutter esse ich prima und bin zufrieden. Danach gehen wir in eine Bar oder einen Club. Manchmal muss das auch sein, habe ich festgestellt. Dennoch ist es schon anders in den Gastfamilien. Manche müssen um 21Uhr zuhause sein, die können natürlich nicht mehr mitkommen. Ich habe Glück bei mir ist es egal, wann ich nachhause komme. Ich soll nur nicht alleine im Dunkeln ein Taxi nehmen, man hört immer wieder Gruselgeschichten.
In der Gegend umher wandern gehört auch zu den Tipps in meinem LonelyPlanet, das schaffe ich leider nicht so oft wie ich will. Dafür lese ich unheimliche Mengen an englischer und französischer Literatur, wirklich haufenweise. Die übrige Zeit verbringe ich mit Rami und Greg, gerne auch bei mir in der Bar. Da ist es dann nicht mehr allzu weit in mein geliebtes Bett. Ihr seht, es ist anders als in Deutschland. Aber nicht unbedingt schlechter, nur anders. Am langen Wochenende über Allerheiligen geht es für uns Volontäre aber mal zu einem Kurzurlaub nach Lomé. Ein bisschen Strand, Sonne, ein Bierchen oder zwei - ein bisschen europäisches Vergnügen eben.
Ihr seht – mir geht es gut. Ein gewisser Alltag ist eingekehrt.
Ich überlasse euch aber nun endlich wieder dem produktiven europäischen Tagesgeschäft und verabschiede mich nach einem ewig langen Bericht mit sonnigen Grüßen aus Togo,
Eure Sabrina
Dienstag, 21. September 2010
September 2010 aus togolesischer Sicht
A: Ndi
B: Ndi
A: Efoa?
B: E me fo. Woha ne foa?
A: Eeeee.....Nuko wo do?
B: Nuko nye ye nye Sabrina. Metso Germani.
Mia wae zo loooo oder
Herzlich Willkommen zur Ewe-Lernstunde der ASTOVOT Freiwlligen 2010/11!
Was ihr oben seht sind die einfachsten Floskeln zur Begrüssung und für die haben wir talentierten Deutschen schon drei Stunden gebraucht und die Aussprache, naja, dass ist ne andere Sache. Zumindest als ich meine Kenntnisse an einem kleinen Kind ausprobierte, fing es schallend an zu lachen...
Ich befinde mich nun seit circa zwei Wochen in Togo und die Zeit vergeht so, dass ich erst jetzt anfangen kann meinen ersten richtigen Blogeintrag zu schreiben. Nicht nur, dass ich meinen Labtop in der ersten Woche vorerst unnutzbar gemacht habe, ich muss auch halb blind auf die Tasten eines fremdem Labtops hauen, da meine wunderbare Brille zuhause in Deutschland liegt. Hoffentlich aber bald dank eines Päckchens meinen blinden Augen zu Hilfe kommt. Deshalb verzeiht eventuelle Fehler, ich bin quasi temporär semi-gehandicapt.
Aber nun für die Serienjunkies: Was ist bisher geschehen?
Angekommen in Lomé, waren wir für 5 Tage in einem Kindergarten untergebracht, zu acht in einem 12qm Raum. Doch dank eines Gewirrs an Moskitonetzen hatte man zumindest eine kleine, wenn auch durchsichtige Privatssphäre. Die ersten Tage waren komplett ausgefüllt mit dem Schmieden des Visaantrags, den Besuchen bei der Schulministerin, dem deutschen Botschafter, dem Außenminister und dem Entwicklungsminister, sowie einigen kleinen Ausflügen in die Nähe von Lomé. Und natürlich dem Essen! Ach, Leute, das Essen. Ein sehr sensibles Thema hier, was kann ich euch erzählen. Wir essen wundervolles Obst: Orangen, Bananen (ja, auch Kochbananen!), Papayas und Ananas, was ich in Deutschland nicht mehr mit dem Hintern anschauen werde. Ich bin nun selbsternannter Kenner von Fufu (togolesisches Nationalgericht aus zerstampften Yamswurzeln), Manjok-Pommes und Pâtes mit leckeren Gemüsesoßen. Ich finde das Essen wirklich toll und bin jedesmal gespannt, was man noch so alles kochen und backen kann. Dennoch fallen die Freiwilligen hier reihenweise Bauch- und Magenschmerzen zum Opfer, da bin ich natürlich auch nicht gefeit. Aber wenn man die togolesische Küche kennenlernen will, muss man da wohl oder übel erstmal durch. Also, was soll ich sagen - die ersten Tage waren damit verplant sich einzugewöhnen. Ein Prozess, der bisher noch nicht vollständig, aber immerhin zufriedenstellend verlaufen ist.
Das Duschen mit Eimer und Becher gelingt mir ganz gut. Es schockt mich auch nicht mehr, wenn das Wasser irgendwie brackig und braun aussieht, was muss, muss. Kein fließendes Wasser? Ab zum nächsten Brunnen, nett grüßen und die Eimer zurückschleppen. Auch wenn mal wieder der Strom ausfällt, liegt meine Taschenlampe nicht fern. Abends wird für den Moskitoschutz auf die Klamotten und den Körper gesprüht. Lange Sachen sind sowieso ab 18Uhr Pflicht. Hände werden mindestens 20mal am Tag gewaschen. Die eingepackten deutschen Desinfektionsmittel sind durch das ständige Strapazieren deutlich leichter geworden. Immer freundlich nicken und lächeln, wenn Menschen auf der Straße gegrüßt werden wollen. "Yovo, Yooooovo"- Rufe (Ewe-Wort für Weiße, Weißer) werden mit enthusiastischem Winken beantwortet, die kleinen Kinder freuts, deren etwas peinlich berührten Mütter ebenfalls. Das Moskitonetz wird zu meinem Palast, der einzige Raum, in dem ich des Nachts sicher und geborgen bin. Auf dem Markt nehme ich nicht den Yovo-Preis, sondern handel immer, egal wie günstig der Ausgangspreis erscheinen mag. Es gehört sich so. Saubere Klamotten? Mein Anspruch besteht bei der Wäsche mit der Hand darin, dass es wieder ein wenig besser riecht. Da ist Reinlichkeit Nebensache. Die rote Erde kriegste sowieso nicht mehr runter. Moto-Taxen anhalten, Preis verhandeln und dann die togolesischen Pisten entlang preschen, dabei immer in Schlangelinien den knöcheltiefen Schlaglöchern ausweichend, erweckt sogar eine gewisse selbstmöderische wirkende Freude (Entschuldige, Mama;). Man wird angefasst, angesprochen und angestarrt. Jedoch kann man nie in der Menschenmasse schlichtweg verschwinden.
Aber. Man. Gewöhnt. Sich. An. Alles.
Lomé war in den ersten Tagen ein sehr verwirrendes großes Ungetüm, indem man aus jeder Ecke eine andere Sicht hattte. Vor allen Dingen kam jede paar Meter eine andere Geruchsnote. Immer wenn ich dachte, also das ist jetzt wirklich mit Abstand das Schlimmste, was ich jemals in meinem Leben...ohoh, okay, aber JETZT ist es wirklich das Abscheuli...meine Güte, da war schon wieder was Neues! Aber das sind die Geheimnisse, die eine Millionenstadt ohne geschlossene Kanalisation für einen bereit hält. Dennoch war alles aufregend und spannend. Allein der Verkehr war mir schon einige Videoaufnahmen wert. Es gibt hier überwiegend zweirädrige und vierrädrige Verkehrsteilnehmer. Die Zweibeinigen, ob jung oder alt, werden schlichtweg von der Straße gehupt. Es entwickeln sich neue Sichtweisen auf Gepäckmöglichkeiten, da werden Motos mit drei, manchmal vier Leuten besetzt (kleine Kinder kann man sowohl hinten wie auch ganz vorne hinpacken- gesetzlich sind nur 2 Personen auf einem Moto erlaubt), man sieht Autos mit abenteurlichen Kofferladungen über dem Dach. Es quillt schon aus dem offenen Kofferraum und aus den Türen: Menschen, Körbe, Tiere. Es wird gehupt, was das Zeug hält. Ob zur Beleidigung, zur Begrüßung oder einfach nur so. Es herrscht immer eine unheimliche Geräuschkulisse in Lomé. Aber kaum zurück in unserem Kindergarten waren wir schon wieder zufrieden und konnten in einer ummauerten Umgebung unsere ersten afrikanischen Schritte zur Annäherung und Austausch mit den Menschen gehen. Wir bekamen viel Besuch von Kindern und Erwachsenen, die einfach nur mal so vorbeischauen wollten. Viele blieben eine Weile bei uns stehen, quatschten mit uns, spielten mit uns Karten. Einmal als ich mir Kekse kaufen ging, kam ein kleines Mädchen zu mir gerannt und nahm meine Hand an ihr Gesicht, um zu schauen, ob meine Haut irgendwie kälter wäre als ihre. Es ist schon toll, die Leute hier kennenzulernen. Viele können gutes Französisch (mit starkem Akzent, aber man gewöhnt sich), manche sogar Deutsch, da sie irgendwann selbst oder irgendeiner aus ihrer Familie in Deutschland lebte oder immer noch lebt, oder schlichtweg weil sie es in der Schule gelernt haben. Viele haben Abitur, was dem französischen Bac sehr ähnlich ist. Zum Beispiel unser Hausmeister. Er hatte Deutsch und Englisch studiert und war, naja, unser Hausmeister. Da läuft irgendwas schief, aber da bin ich noch nicht hinter gestiegen.
Wie gesagt, wir blieben 5 Tage in Lomé. Im Schwebezustand zwischen Zuhause und Fremde, Freude und Trauer, Fernweh und Heimweh. Alles war dabei, die Gefühle wechselten sich quasi stündlich ab, man konnte sich nie sicher sein, wann die nächste Welle irgendeines Gefühls über einen hereinbricht. Ich bin bei negativen Gefühlen einfach auf meine geliehene Isomatte und habe geschlafen. Wer mich kennt, weiß ja, das ist mein Lieblingsrezept. So gingen die Tage vorbei und zack, dann war ich irgendwann doch 24 Jahre alt geworden. Mein Geburtstag in Afrika. Ich habe Gratulationen bekommen, meine mitgebrachten Geschenke (Danke dafür!!!) ausgepackt, liebe Anrufe entgegengenommen (ebenfalls vielen, vielen Dank!) und meine Koffer packen müssen. Wir sind nämlich weiter in die Region gefahren, die für die nächsten Monate unser Zuhause werden sollte. Au revoir, Lomé – Bienvenue à Kpalimé (gesprochen Palimé).
Die Fahrt war ein wahres Geschenk zu meinem Geburtstag. Einen Blick in die liebenswerte afrikanische Realität. Wir sind wieder in unser ASTO-Mobil gestiegen, diesmal 22 Leute mit sämtlichen Gepäck der Freiwlligen, Küchenutensilien, Schlafmatten und Trommeln. Aber dieses Auto kann wirklich alles, es ist quasi der Schwarzenegger unter den Automobilen. Nur leider hat es nicht mehr alles, was ein Auto bei uns eigentlich noch haben sollte. Zumindest um im deutschen Verkehr zugelassen zu werden. Es fehlen die Anschnaller und der Tacho. Aber dafür hatte es Löcher. Dass haben wir festgestellt als wir auf unserer Reise durch den ersten monsunartigen Regenschauer kamen und auf den hinteren Plätzen die Mülltüten ans Fenster gehalten werden mussten, weil es kräftig reinregnete. Dank meines Geburtstages durfte ich ganz vorne auf dem Luxusplatz sitzen und hatte so eine großartige Sicht auf die Dinge. Aber auch sensationellle Aufgaben. Als unser Fahrer mal aussteigen musste, um seine Fahrzulassung irgendwo zu zeigen, nahm er meinen Fuß, stellte ihn auf die Bremse und sagte, dass ich jetzt bitte nicht loslassen solle und ging. Da saß ich nun vorne mit dem linken Fuß auf der Bremse und habe unglaublich gelacht. Wir sind durch Schlaglöcher gegurkt, dass die Köpfe an die Decke gingen. Es gabe wahnsinnige Hupkonzerte. Dann musste leider noch ein Küken sterben, weil es vor uns nicht so schnell über die Straße kam. Sylvestre, unser Koordinator und schlichtweg der Chef, saß neben mir und schwärmte die ganze Zeit von seiner Heimatstadt, in die wir ja jetzt fahren würden. Er ergoß sich in begeisterten Ausführungen...wenn er nicht zwischendurch mit dem Kopf aus dem Fenster hing und irgendwelche Leute angeschrien hat, weil sie nicht schnell genug von der Straße kamen. Bienvenue en Afrique hat er auch oft gemurmelt, vorwiegend bei dem Treffen eines Schlagloches. Ach, es war toll.
Nun sind wir seit 12 Tagen hier in Kpalimé. Unser Haus ist sehr nett mit einer offenen Veranda und einem kleinen Hof, wo man sich ein bisschen bewegen kann. Leider haben wir nur ein Bad, das auch die Toilette beinhaltet, was manchmal wirklich etwas knapp wird. Aber man kann zum Duschen auch einfach hinters Haus. Prüde oder verklemmt sein kann sich hier keiner mehr so richtig leisten. Es ist oft laut, man kann sich nicht richtig zurückziehen. Aber es ist ja nicht für immer. Irgendwie ist man ja noch in einem sehr geschütztem Raum, umgeben von Leuten, die das Gleiche machen und die gleichen Probleme mitbringen. Man kann sich einschätzen, versteht sich teilweise wirklich richtig, richitg gut. Wir hatten schon einige Séances culturelles innerhalb und außerhalb unseres neuen Zuhauses, sprich lautstarke Partys. Wir bekommen Besuch, es werden Trommeln mitgebracht und einfach losgelegt. Immmer mehr Menschen kommen und wir tanzen alle stundenlang auf unserer Veranda, singen deutsche und togolesische Lieder. Wirklich toll! In solchen Momenten bin ich unglaublich froh hier zu sein, um das so mitzuerleben.
Die Landschaft ist großartig und die Stadt ist für meine Begriffe mittlerweile wirklich hübsch. Sie liegt in einem Tal, umrahmt von einer langen Gebirgskette. Wir haben schon verschiedene Wasserfälle besichtigt und sind viel spazieren gewesen. Aber teilweise ist das Wetter einfach noch etwas zu schwül für mich und ich bin schnell kaputt. Ich hoffe auch da auf die Gewöhnung.
Wir hatten eine Woche bisher Seminar. Das heißt wir lernen Ewe (mit bisher mäßigem Erfolg;), treffen Polizisten, haben Krankheitsaufklärung (der Malariapokal, ein Freibier an den/die Ersterkrankte/n der Gruppe, wurde bislang noch nicht vergeben), treffen den Schulinspekteur, lernen den Unterricht vorzubereiten und, natürlich, gewöhnen wir uns wieder. Ab Morgen starten wir unser Workcamp: wir renovieren weiter das Jugenzentrum, was die Freiwilligen im Jahrgang vor uns aufgebaut haben und forsten einen Platz wieder auf. Ich freue mich darauf, mittlerweile bin ich nämlich wirklich bereit hier was zu starten und meine Zeit zu nutzen. Ab der ersten Oktoberwoche kommen wir dann in die Gastfamilien. Dann beginnen auch unsere Projekte an den Schulen. So wie es aussieht, werde ich Deutsch am Lycée, sprich Oberstufe unterrichten. Ich bin sehr gespannt und auch schon ein wenig aufgeregt. Ich hatte eigentlich die Unterstufe erwartet. Lycée ist da schon was anderes und beinhaltet ja auch die Abivorbereitung, dass ist schon mal nochmal was ganz anderes. Ich gehe noch davon aus, dass ich Assistant Teacher bin und den Laden nicht alleine schmeißen muss, sondern nur gewisse Inhalte selber vorbereite. Aber ich bin da ganz positiv und werde euch natürlich berichten. Ich habe schon viel erzählt, könnte noch viel mehr, viel genauer berichten, aber ich belasse es dabei. Ich hoffe, ihr habt einen guten Eindruck bekommen, wie es mir hier geht. Danke für eure Geduld, wenn ihr diesen Bericht zu Ende gelesen habt!
Ich schicke euch einen lieben Gruß aus dem sonnigen und heißen Togo in den heimatlichen Spätsommer!
Eure Sabrina
B: Ndi
A: Efoa?
B: E me fo. Woha ne foa?
A: Eeeee.....Nuko wo do?
B: Nuko nye ye nye Sabrina. Metso Germani.
Mia wae zo loooo oder
Herzlich Willkommen zur Ewe-Lernstunde der ASTOVOT Freiwlligen 2010/11!
Was ihr oben seht sind die einfachsten Floskeln zur Begrüssung und für die haben wir talentierten Deutschen schon drei Stunden gebraucht und die Aussprache, naja, dass ist ne andere Sache. Zumindest als ich meine Kenntnisse an einem kleinen Kind ausprobierte, fing es schallend an zu lachen...
Ich befinde mich nun seit circa zwei Wochen in Togo und die Zeit vergeht so, dass ich erst jetzt anfangen kann meinen ersten richtigen Blogeintrag zu schreiben. Nicht nur, dass ich meinen Labtop in der ersten Woche vorerst unnutzbar gemacht habe, ich muss auch halb blind auf die Tasten eines fremdem Labtops hauen, da meine wunderbare Brille zuhause in Deutschland liegt. Hoffentlich aber bald dank eines Päckchens meinen blinden Augen zu Hilfe kommt. Deshalb verzeiht eventuelle Fehler, ich bin quasi temporär semi-gehandicapt.
Aber nun für die Serienjunkies: Was ist bisher geschehen?
Angekommen in Lomé, waren wir für 5 Tage in einem Kindergarten untergebracht, zu acht in einem 12qm Raum. Doch dank eines Gewirrs an Moskitonetzen hatte man zumindest eine kleine, wenn auch durchsichtige Privatssphäre. Die ersten Tage waren komplett ausgefüllt mit dem Schmieden des Visaantrags, den Besuchen bei der Schulministerin, dem deutschen Botschafter, dem Außenminister und dem Entwicklungsminister, sowie einigen kleinen Ausflügen in die Nähe von Lomé. Und natürlich dem Essen! Ach, Leute, das Essen. Ein sehr sensibles Thema hier, was kann ich euch erzählen. Wir essen wundervolles Obst: Orangen, Bananen (ja, auch Kochbananen!), Papayas und Ananas, was ich in Deutschland nicht mehr mit dem Hintern anschauen werde. Ich bin nun selbsternannter Kenner von Fufu (togolesisches Nationalgericht aus zerstampften Yamswurzeln), Manjok-Pommes und Pâtes mit leckeren Gemüsesoßen. Ich finde das Essen wirklich toll und bin jedesmal gespannt, was man noch so alles kochen und backen kann. Dennoch fallen die Freiwilligen hier reihenweise Bauch- und Magenschmerzen zum Opfer, da bin ich natürlich auch nicht gefeit. Aber wenn man die togolesische Küche kennenlernen will, muss man da wohl oder übel erstmal durch. Also, was soll ich sagen - die ersten Tage waren damit verplant sich einzugewöhnen. Ein Prozess, der bisher noch nicht vollständig, aber immerhin zufriedenstellend verlaufen ist.
Das Duschen mit Eimer und Becher gelingt mir ganz gut. Es schockt mich auch nicht mehr, wenn das Wasser irgendwie brackig und braun aussieht, was muss, muss. Kein fließendes Wasser? Ab zum nächsten Brunnen, nett grüßen und die Eimer zurückschleppen. Auch wenn mal wieder der Strom ausfällt, liegt meine Taschenlampe nicht fern. Abends wird für den Moskitoschutz auf die Klamotten und den Körper gesprüht. Lange Sachen sind sowieso ab 18Uhr Pflicht. Hände werden mindestens 20mal am Tag gewaschen. Die eingepackten deutschen Desinfektionsmittel sind durch das ständige Strapazieren deutlich leichter geworden. Immer freundlich nicken und lächeln, wenn Menschen auf der Straße gegrüßt werden wollen. "Yovo, Yooooovo"- Rufe (Ewe-Wort für Weiße, Weißer) werden mit enthusiastischem Winken beantwortet, die kleinen Kinder freuts, deren etwas peinlich berührten Mütter ebenfalls. Das Moskitonetz wird zu meinem Palast, der einzige Raum, in dem ich des Nachts sicher und geborgen bin. Auf dem Markt nehme ich nicht den Yovo-Preis, sondern handel immer, egal wie günstig der Ausgangspreis erscheinen mag. Es gehört sich so. Saubere Klamotten? Mein Anspruch besteht bei der Wäsche mit der Hand darin, dass es wieder ein wenig besser riecht. Da ist Reinlichkeit Nebensache. Die rote Erde kriegste sowieso nicht mehr runter. Moto-Taxen anhalten, Preis verhandeln und dann die togolesischen Pisten entlang preschen, dabei immer in Schlangelinien den knöcheltiefen Schlaglöchern ausweichend, erweckt sogar eine gewisse selbstmöderische wirkende Freude (Entschuldige, Mama;). Man wird angefasst, angesprochen und angestarrt. Jedoch kann man nie in der Menschenmasse schlichtweg verschwinden.
Aber. Man. Gewöhnt. Sich. An. Alles.
Lomé war in den ersten Tagen ein sehr verwirrendes großes Ungetüm, indem man aus jeder Ecke eine andere Sicht hattte. Vor allen Dingen kam jede paar Meter eine andere Geruchsnote. Immer wenn ich dachte, also das ist jetzt wirklich mit Abstand das Schlimmste, was ich jemals in meinem Leben...ohoh, okay, aber JETZT ist es wirklich das Abscheuli...meine Güte, da war schon wieder was Neues! Aber das sind die Geheimnisse, die eine Millionenstadt ohne geschlossene Kanalisation für einen bereit hält. Dennoch war alles aufregend und spannend. Allein der Verkehr war mir schon einige Videoaufnahmen wert. Es gibt hier überwiegend zweirädrige und vierrädrige Verkehrsteilnehmer. Die Zweibeinigen, ob jung oder alt, werden schlichtweg von der Straße gehupt. Es entwickeln sich neue Sichtweisen auf Gepäckmöglichkeiten, da werden Motos mit drei, manchmal vier Leuten besetzt (kleine Kinder kann man sowohl hinten wie auch ganz vorne hinpacken- gesetzlich sind nur 2 Personen auf einem Moto erlaubt), man sieht Autos mit abenteurlichen Kofferladungen über dem Dach. Es quillt schon aus dem offenen Kofferraum und aus den Türen: Menschen, Körbe, Tiere. Es wird gehupt, was das Zeug hält. Ob zur Beleidigung, zur Begrüßung oder einfach nur so. Es herrscht immer eine unheimliche Geräuschkulisse in Lomé. Aber kaum zurück in unserem Kindergarten waren wir schon wieder zufrieden und konnten in einer ummauerten Umgebung unsere ersten afrikanischen Schritte zur Annäherung und Austausch mit den Menschen gehen. Wir bekamen viel Besuch von Kindern und Erwachsenen, die einfach nur mal so vorbeischauen wollten. Viele blieben eine Weile bei uns stehen, quatschten mit uns, spielten mit uns Karten. Einmal als ich mir Kekse kaufen ging, kam ein kleines Mädchen zu mir gerannt und nahm meine Hand an ihr Gesicht, um zu schauen, ob meine Haut irgendwie kälter wäre als ihre. Es ist schon toll, die Leute hier kennenzulernen. Viele können gutes Französisch (mit starkem Akzent, aber man gewöhnt sich), manche sogar Deutsch, da sie irgendwann selbst oder irgendeiner aus ihrer Familie in Deutschland lebte oder immer noch lebt, oder schlichtweg weil sie es in der Schule gelernt haben. Viele haben Abitur, was dem französischen Bac sehr ähnlich ist. Zum Beispiel unser Hausmeister. Er hatte Deutsch und Englisch studiert und war, naja, unser Hausmeister. Da läuft irgendwas schief, aber da bin ich noch nicht hinter gestiegen.
Wie gesagt, wir blieben 5 Tage in Lomé. Im Schwebezustand zwischen Zuhause und Fremde, Freude und Trauer, Fernweh und Heimweh. Alles war dabei, die Gefühle wechselten sich quasi stündlich ab, man konnte sich nie sicher sein, wann die nächste Welle irgendeines Gefühls über einen hereinbricht. Ich bin bei negativen Gefühlen einfach auf meine geliehene Isomatte und habe geschlafen. Wer mich kennt, weiß ja, das ist mein Lieblingsrezept. So gingen die Tage vorbei und zack, dann war ich irgendwann doch 24 Jahre alt geworden. Mein Geburtstag in Afrika. Ich habe Gratulationen bekommen, meine mitgebrachten Geschenke (Danke dafür!!!) ausgepackt, liebe Anrufe entgegengenommen (ebenfalls vielen, vielen Dank!) und meine Koffer packen müssen. Wir sind nämlich weiter in die Region gefahren, die für die nächsten Monate unser Zuhause werden sollte. Au revoir, Lomé – Bienvenue à Kpalimé (gesprochen Palimé).
Die Fahrt war ein wahres Geschenk zu meinem Geburtstag. Einen Blick in die liebenswerte afrikanische Realität. Wir sind wieder in unser ASTO-Mobil gestiegen, diesmal 22 Leute mit sämtlichen Gepäck der Freiwlligen, Küchenutensilien, Schlafmatten und Trommeln. Aber dieses Auto kann wirklich alles, es ist quasi der Schwarzenegger unter den Automobilen. Nur leider hat es nicht mehr alles, was ein Auto bei uns eigentlich noch haben sollte. Zumindest um im deutschen Verkehr zugelassen zu werden. Es fehlen die Anschnaller und der Tacho. Aber dafür hatte es Löcher. Dass haben wir festgestellt als wir auf unserer Reise durch den ersten monsunartigen Regenschauer kamen und auf den hinteren Plätzen die Mülltüten ans Fenster gehalten werden mussten, weil es kräftig reinregnete. Dank meines Geburtstages durfte ich ganz vorne auf dem Luxusplatz sitzen und hatte so eine großartige Sicht auf die Dinge. Aber auch sensationellle Aufgaben. Als unser Fahrer mal aussteigen musste, um seine Fahrzulassung irgendwo zu zeigen, nahm er meinen Fuß, stellte ihn auf die Bremse und sagte, dass ich jetzt bitte nicht loslassen solle und ging. Da saß ich nun vorne mit dem linken Fuß auf der Bremse und habe unglaublich gelacht. Wir sind durch Schlaglöcher gegurkt, dass die Köpfe an die Decke gingen. Es gabe wahnsinnige Hupkonzerte. Dann musste leider noch ein Küken sterben, weil es vor uns nicht so schnell über die Straße kam. Sylvestre, unser Koordinator und schlichtweg der Chef, saß neben mir und schwärmte die ganze Zeit von seiner Heimatstadt, in die wir ja jetzt fahren würden. Er ergoß sich in begeisterten Ausführungen...wenn er nicht zwischendurch mit dem Kopf aus dem Fenster hing und irgendwelche Leute angeschrien hat, weil sie nicht schnell genug von der Straße kamen. Bienvenue en Afrique hat er auch oft gemurmelt, vorwiegend bei dem Treffen eines Schlagloches. Ach, es war toll.
Nun sind wir seit 12 Tagen hier in Kpalimé. Unser Haus ist sehr nett mit einer offenen Veranda und einem kleinen Hof, wo man sich ein bisschen bewegen kann. Leider haben wir nur ein Bad, das auch die Toilette beinhaltet, was manchmal wirklich etwas knapp wird. Aber man kann zum Duschen auch einfach hinters Haus. Prüde oder verklemmt sein kann sich hier keiner mehr so richtig leisten. Es ist oft laut, man kann sich nicht richtig zurückziehen. Aber es ist ja nicht für immer. Irgendwie ist man ja noch in einem sehr geschütztem Raum, umgeben von Leuten, die das Gleiche machen und die gleichen Probleme mitbringen. Man kann sich einschätzen, versteht sich teilweise wirklich richtig, richitg gut. Wir hatten schon einige Séances culturelles innerhalb und außerhalb unseres neuen Zuhauses, sprich lautstarke Partys. Wir bekommen Besuch, es werden Trommeln mitgebracht und einfach losgelegt. Immmer mehr Menschen kommen und wir tanzen alle stundenlang auf unserer Veranda, singen deutsche und togolesische Lieder. Wirklich toll! In solchen Momenten bin ich unglaublich froh hier zu sein, um das so mitzuerleben.
Die Landschaft ist großartig und die Stadt ist für meine Begriffe mittlerweile wirklich hübsch. Sie liegt in einem Tal, umrahmt von einer langen Gebirgskette. Wir haben schon verschiedene Wasserfälle besichtigt und sind viel spazieren gewesen. Aber teilweise ist das Wetter einfach noch etwas zu schwül für mich und ich bin schnell kaputt. Ich hoffe auch da auf die Gewöhnung.
Wir hatten eine Woche bisher Seminar. Das heißt wir lernen Ewe (mit bisher mäßigem Erfolg;), treffen Polizisten, haben Krankheitsaufklärung (der Malariapokal, ein Freibier an den/die Ersterkrankte/n der Gruppe, wurde bislang noch nicht vergeben), treffen den Schulinspekteur, lernen den Unterricht vorzubereiten und, natürlich, gewöhnen wir uns wieder. Ab Morgen starten wir unser Workcamp: wir renovieren weiter das Jugenzentrum, was die Freiwilligen im Jahrgang vor uns aufgebaut haben und forsten einen Platz wieder auf. Ich freue mich darauf, mittlerweile bin ich nämlich wirklich bereit hier was zu starten und meine Zeit zu nutzen. Ab der ersten Oktoberwoche kommen wir dann in die Gastfamilien. Dann beginnen auch unsere Projekte an den Schulen. So wie es aussieht, werde ich Deutsch am Lycée, sprich Oberstufe unterrichten. Ich bin sehr gespannt und auch schon ein wenig aufgeregt. Ich hatte eigentlich die Unterstufe erwartet. Lycée ist da schon was anderes und beinhaltet ja auch die Abivorbereitung, dass ist schon mal nochmal was ganz anderes. Ich gehe noch davon aus, dass ich Assistant Teacher bin und den Laden nicht alleine schmeißen muss, sondern nur gewisse Inhalte selber vorbereite. Aber ich bin da ganz positiv und werde euch natürlich berichten. Ich habe schon viel erzählt, könnte noch viel mehr, viel genauer berichten, aber ich belasse es dabei. Ich hoffe, ihr habt einen guten Eindruck bekommen, wie es mir hier geht. Danke für eure Geduld, wenn ihr diesen Bericht zu Ende gelesen habt!
Ich schicke euch einen lieben Gruß aus dem sonnigen und heißen Togo in den heimatlichen Spätsommer!
Eure Sabrina
Freitag, 17. September 2010
PICS
Hallo zusammen,
ich habe jetzt Bilder hochgeladen, wer Lust hat
------> http://img227.imageshack.us/g/img0028pj.jpg/
ich habe jetzt Bilder hochgeladen, wer Lust hat
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Sonntag, 5. September 2010
Lebenszeichen aus Togo
Erstmal:
ICH BIN IN TOGO UND MIR GEHT ES GUT!
Ich will mich nur kurz mal melden, um dies Neuigkeit unter eventuell Besorgten zu verbreiten.
Nachdem ich am Dienstag und Mittwoch noch im Pack- „und-die-letzten-Dinge-nur-nochmal-kurz-einkaufen-Stress“ war, kamen an meinem letzten Abend noch Birgit, Eugenia und Johanna zu Besuch. Später sind noch Atti und Annika, natürlich Christian und meine Mama da gewesen und haben zusammen gegessen. Nach einer tränenreichen und sehr traurigen Verabschiedung bin ich dann Donnerstag Morgen mit den neun anderen Freiwilligen vom SCI ins Flugzeug nach Paris gestiegen und von dort dann weiter nach Lomé. Es war ein sehr ruhiger Flug in die „nur“ knapp 4800km entfernte Hauptstadt in Togo (also nur 25Euro extra Flug-Steuer für eventuelle Besucher;). Nach dem Ausstieg kam der erwartete sprichwörtliche Schlag ins Gesicht: 27grad, geschätzte 80Prozent Luftfeuchtigkeit waren für acht Uhr abends schon mal ein Schock. Man wurde ja vorbereitet, aber erleben ist da ja schon was anderes.
Am Flughafen wurden wir von ASTOVOT (unserer Partnerorganisation) abgeholt. Ach ja, zum Thema abgeholt: wir waren 20 Leute (16 deutsche Freiwillige mit viel zu viel Gepäck und vier Betreuer) und wir passten alle in einen Minibus mit dem Gepäck 2meter über dem Dach gestapelt.
Wir sind gerade in einem Kindergarten untergebracht, schlafen zu acht in einem Zimmer auf Strohmatten. ich habe netterweise von Jakob, mit dem ich später ins Projekt in mein Dorf komme, eine Isomatte bekommen, damit ich nicht mit eine Hüftdeformation aus diesen fünf Tagen in Lomé rauskomme. Ansonsten: die Leute sind sehr, sehr nett, mein Moskitonetz ist ein riesengroßer Palast, Duschen mit Eimer und Napf zum überspülen ist eigentlich ganz angenehm, mein deutsches Handy funktioniert (zwar saumäßig teuer), wir haben Strom, also erstmal ist alles ganz gut. Nur das Französisch kommt mir noch vor wie aus einer anderen Welt
Heute bekommen wir unser Arbeitsvisum und besorgen uns hoffentlich die togolesischen Sim-Karten.
Ich melde mich bald wieder, dann vielleicht organisierter;) Ich danke allen, die gestern so fest an mich gedacht haben. Es war sehr schwierig zu gehen, aber jetzt bin ich da, vermisse viele schon jetzt sehr, aber ich versuche mich hier einzufinden. Ich lasse von mir hören.
Bis Bald,
mit den besten Grüßen aus Togo,
Sabrina
ICH BIN IN TOGO UND MIR GEHT ES GUT!
Ich will mich nur kurz mal melden, um dies Neuigkeit unter eventuell Besorgten zu verbreiten.
Nachdem ich am Dienstag und Mittwoch noch im Pack- „und-die-letzten-Dinge-nur-nochmal-kurz-einkaufen-Stress“ war, kamen an meinem letzten Abend noch Birgit, Eugenia und Johanna zu Besuch. Später sind noch Atti und Annika, natürlich Christian und meine Mama da gewesen und haben zusammen gegessen. Nach einer tränenreichen und sehr traurigen Verabschiedung bin ich dann Donnerstag Morgen mit den neun anderen Freiwilligen vom SCI ins Flugzeug nach Paris gestiegen und von dort dann weiter nach Lomé. Es war ein sehr ruhiger Flug in die „nur“ knapp 4800km entfernte Hauptstadt in Togo (also nur 25Euro extra Flug-Steuer für eventuelle Besucher;). Nach dem Ausstieg kam der erwartete sprichwörtliche Schlag ins Gesicht: 27grad, geschätzte 80Prozent Luftfeuchtigkeit waren für acht Uhr abends schon mal ein Schock. Man wurde ja vorbereitet, aber erleben ist da ja schon was anderes.
Am Flughafen wurden wir von ASTOVOT (unserer Partnerorganisation) abgeholt. Ach ja, zum Thema abgeholt: wir waren 20 Leute (16 deutsche Freiwillige mit viel zu viel Gepäck und vier Betreuer) und wir passten alle in einen Minibus mit dem Gepäck 2meter über dem Dach gestapelt.
Wir sind gerade in einem Kindergarten untergebracht, schlafen zu acht in einem Zimmer auf Strohmatten. ich habe netterweise von Jakob, mit dem ich später ins Projekt in mein Dorf komme, eine Isomatte bekommen, damit ich nicht mit eine Hüftdeformation aus diesen fünf Tagen in Lomé rauskomme. Ansonsten: die Leute sind sehr, sehr nett, mein Moskitonetz ist ein riesengroßer Palast, Duschen mit Eimer und Napf zum überspülen ist eigentlich ganz angenehm, mein deutsches Handy funktioniert (zwar saumäßig teuer), wir haben Strom, also erstmal ist alles ganz gut. Nur das Französisch kommt mir noch vor wie aus einer anderen Welt
Heute bekommen wir unser Arbeitsvisum und besorgen uns hoffentlich die togolesischen Sim-Karten.
Ich melde mich bald wieder, dann vielleicht organisierter;) Ich danke allen, die gestern so fest an mich gedacht haben. Es war sehr schwierig zu gehen, aber jetzt bin ich da, vermisse viele schon jetzt sehr, aber ich versuche mich hier einzufinden. Ich lasse von mir hören.
Bis Bald,
mit den besten Grüßen aus Togo,
Sabrina
Montag, 30. August 2010
DANKE
Kurz vor meiner Abfahrt ist es vollbracht:
Die Spende von 1500Euro ist zusammengekommen! Es sind sogar 50Euro mehr geworden- vor Ort werde ich schauen, was ich für diese Spende an Material für die Kinder holen kann und werde euch natürlich hier berichten!
Mein herzlicher Dank geht daher an
Brigit&Gertrud, Cinzia, Lieblingstante Marion, Karl-Heinz, Peter Ditz, Gisi, Monika, Familie Feldmann aus dem Sauerland, Atti&Annika, Dani&Holgi&Lenni, Marion, Rudolf und Christian Knab. Natürlich auch Christian und meiner großartigen Mama! Ebenso meinem Opilein, ohne den ich nie auf so "verrückte" Ideen gekommen wäre.
Ebenfalls bedanke ich mich für die zahlreiche seelische Unterstützung von meinen Freunden und meiner Familie!
DANKE :)
Die Spende von 1500Euro ist zusammengekommen! Es sind sogar 50Euro mehr geworden- vor Ort werde ich schauen, was ich für diese Spende an Material für die Kinder holen kann und werde euch natürlich hier berichten!
Mein herzlicher Dank geht daher an
Brigit&Gertrud, Cinzia, Lieblingstante Marion, Karl-Heinz, Peter Ditz, Gisi, Monika, Familie Feldmann aus dem Sauerland, Atti&Annika, Dani&Holgi&Lenni, Marion, Rudolf und Christian Knab. Natürlich auch Christian und meiner großartigen Mama! Ebenso meinem Opilein, ohne den ich nie auf so "verrückte" Ideen gekommen wäre.
Ebenfalls bedanke ich mich für die zahlreiche seelische Unterstützung von meinen Freunden und meiner Familie!
DANKE :)
Freitag, 16. April 2010
Pour la première fois...
Es sind zwar noch gut 5 Monate hin, aber ausprobieren wollte ich diese Blogfunktion dennoch schon mal. Bisher ist an Vorbereitungen noch nicht viel gelaufen, aber einen Termin zur Impfberatung habe ich zumindest schon gemacht. Allerdings sollte ich seit Peru eigentlich gegen absolut alles und jeden geimpft sein;) On verra!
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